Tochter Powergen will für rund 1,7 Milliarden Euro Midlands Electricity übernehmen
Eon nimmt britischen Netzbetreiber ins Visier

Der Energiekonzern Eon weitet sein Geschäft in Großbritannien aus: Die Tochtergesellschaft Powergen will den Netzbetreiber Midlands Electricity übernehmen, erfuhr das Handelsblatt am Wochenende aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Das Unternehmen hat nach Branchenschätzungen einen Wert von rund 1,2 Mrd. Pfund (1,7 Mrd. Euro). Ein Eon-Sprecher wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

DÜSSELDORF/LONDON. Die Verhandlungen könnten zwar rasch zum Abschluss kommen, der Zukauf sei aber noch nicht in trockenen Tüchern, hieß es. Zuvor hatte Scottish & Southern Energy monatelang über eine Übernahme von Midlands Electricity verhandelt, die Gespräche vor eineinhalb Wochen aber abgebrochen. Die Anteile sind zwar im Besitz der US-Versorger Aquila und First Energy, die schon seit einem Jahr nach einem Käufer suchen. Der potenzielle Erwerber muss sich aber vor allem mit den Inhabern von Unternehmensanleihen einigen und rund 1,7 Mrd. Euro an Schulden übernehmen. Eon hat unmittelbar nach dem Scheitern der Scottish-&- Southern-Offerte Kontakt mit den Gläubigern aufgenommen.

Die Übernahme der Midlands Electricity plc, die die bisherigen Eigner in Aquila Networks umbenennen wollten, würde in Eons Strategie auf dem britischen Markt passen: Mitte August hatte der neue Konzernchef Wulf Bernotat angekündigt, dass Eon in Großbritannien weiter in Vertrieb und Infrastruktur investieren werde.

Mit weiteren Zukäufen versucht der Konzern seine Startschwierigkeiten auf dem britischen Markt in den Griff zu bekommen: Eon hatte im Sommer vergangenen Jahres für 15 Mrd. Euro den britischen Energiekonzern Powergen übernommen, musste die Neuerwerbung aber bereits im Herbst um rund 2,4 Mrd. Euro abwerten. Die britischen Großhandelspreise waren drastisch eingebrochen. Powergen, die mit ihren zahlreichen Kraftwerken auch Konkurrenten beliefert, war davon besonders stark betroffen. Eon reagierte und übernahm im Herbst 2002 für über zwei Mrd. Euro auch die britischen Aktivitäten des US-Konzern TXU. Powergen vergrößerte damit die Kundenbasis deutlich und stieg zur Nummer zwei auf dem britischen Markt auf. Trotzdem konnte Powergen im vergangenen Jahr nur eine Kapitalrendite von 5,7 % erreichen, konzernweit waren es 9,3 %.

Der regionale Stromverteiler Midlands Electricity dürfte die Kosten weiter senken und die Rentabilität von Powergen steigern. Das Unternehmen verfügt über ein umfangreiches Leitungsnetz von rund 63 000 Kilometern, an das etwa 2,3 Mill. Haushalte angeschlossen sind. Das Unternehmen hat einen Umsatz von rund 600 Mill. Euro und beschäftigt etwa 3 700 Mitarbeiter.

Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten hat Eon trotz des milliardenschweren Expansionskurses noch immer Mittel für Zukäufe. Bernotat hat die mittelfristige Investitionsplanung um 8 bis 10 Mrd. Euro auf 26 bis 28 Mrd. Euro aufgestockt. Damit soll das bestehende Portfolio abgerundet werden.

Eon ist damit in einer wesentlich komfortableren Lage als beispielsweise Konkurrent RWE, der einen ähnlichen Konzernumbau hinter sich hat. Der neue RWE-Chef Harry Roels hat dem Schuldenabbau oberste Priorität eingeräumt: Jeder Zukauf bei RWE muss durch einen Verkauf in ähnlicher Größenordnung gegenfinanziert sein.

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