"Toll Collect ist ein virtuelles Unternehmen"
„Wir haben es einfach nicht hingekriegt“

Der MAN S 2000 der Siegburger Spedition Hoss hat 403 PS unter der Haube. Und unter der Windschutzscheibe das OBU 1372 von Siemens. „Das funktioniert bis heute nicht“, sagt Matthias Pansch, der Werkstattleiter. Manchmal springe das Gerät im Design eines Radioweckers gar nicht an, manchmal rechne es verkehrt ab, manchmal würden Autobahnstrecken berechnet, die der LKW gar nicht benutze.

DÜSSELDORF. Vor zwei Monaten ist der Starttermin der entfernungsabhängigen, satellitengestützten LKW-Maut auf unbestimmte Zeit verschoben worden, technisch getan hat sich seither kaum etwas: Nur die Störmeldungen sind zuverlässig. Aus dem Verkehrsausschuss des Bundestags heißt es, bis zu 100 gravierende Fehler müssten noch behoben werden.

Innerhalb des Konsortiums, an dem Daimler-Chrysler und die Deutsche Telekom je 45 Prozent und der französische Autobahnspezialist Cofiroute zehn Prozent halten, gärt es. „Wir haben es nicht hingekriegt“, sagt der Mann von Toll Collect. Das klingt, als sei eines der großen industriepolitischen Prestigeprojekte hier zu Lande schon Vergangenheit, bevor Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe am 15. Dezember die Gelegenheit bekommt, den Betreibervertrag zu kündigen.

Zwar spricht vieles dafür, dass Stolpe dies nicht tun wird. Vieles spricht aber auch dafür, dass sich bei Toll Collect in den kommenden Tagen allerhand tun wird. Denn zunächst einmal ist Wachwechsel: Klaus Mangold, der geistige Übervater der Maut und Vorstand der ökonomisch höchst erfolgreichen Konzerntochter Daimler-Chrysler-Services, geht ausgerechnet an diesem 15. Dezember in den Ruhestand. Er scheidet aus dem Daimler-Vorstand aus und legt gleichzeitig das Amt des Oberkontrolleurs bei Toll Collect nieder. „Das ist für ihn mehr als tragisch“, sagt ein Vertrauter. Doch für Mangold kommt es noch härter: In der Konzernzentrale in Stuttgart- Möhringen ist kein Platz mehr für ihn, er muss mit einem Büro bei der Daimler-Bank zufrieden sein. Insofern bekommt Mangold einen Abgang zweiter Klasse, die Konzernführung soll alles andere als erfreut darüber sein, was aus dem Projekt geworden ist. „Man hat die Imagerisiken zu spät erkannt“, heißt es selbstkritisch.

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