Tollwut
Novartis kriegt Impfstoff-Versorgung nicht in den Griff

Fernreisen nach Afrika oder Asien sind begehrt wie nie, aber beim Impfschutz stoßen Touristen auf Hürden: Tollwut-Impfstoff zur Vorbeugung ist in Deutschland Mangelware. Der Marktführer hat Lieferprobleme.
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DüsseldorfWer in deutschen Gesundheitsämtern oder beim Arzt derzeit um eine Tollwut-Impfung bittet, stößt in vielen Fällen auf Schulterzucken. Für Auslandsreisen vor allem nach Asien und Afrika ist die Impfung empfohlen, da die Virusinfektion sehr gefährlich ist und ohne Impfung tödlich verläuft. Doch der Impfstoff ist knapp. Zwei Präparate sind in Deutschland zugelassen und vor allem Hersteller Novartis hat Probleme, das Präparat „Rabipur“ in ausreichender Menge zu liefern – und das zur Hauptreisezeit.

„Es gibt Engpässe“, bestätigt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die Bundesbehörde für Impfstoffe. Die Notfallversorgung sei aber sichergestellt. Wer also von einem Hund, Fuchs, Waschbär oder einer Fledermaus gekratzt oder gebissen werde, kann sicher sein, nach dem Vorfall geimpft zu werden. Nur für die vorsorgliche Impfung ist nicht genug Impfstoff vorhanden. Das Institut habe Ende Mai eine Produktionscharge freigegeben, vor wenigen Tagen eine weitere. Die Verteilung dauere aber Wochen. Über den Umfang der Charge gibt das Institut keine Auskunft. Außerdem gibt das PEI die Chargen für die ganze Europäische Union frei, sodass die Versorgung in Deutschland sich dadurch nicht unbedingt deutlich verbessern muss.

Novartis bedauert in einer Stellungnahme die mit dem Lieferengpass „verbundenen Unannehmlichkeiten für Ärzte und Patienten“ und begründet das mit einer hohen Nachfrage. Im nächsten Jahr solle eine zusätzliche Produktionsanlage im Werk Marburg in Betrieb gehen. Es habe keine Probleme wie Unreinheiten in der Produktion gegeben. Ähnliche Engpässe hatte es etwa bereits im Jahr 2008 gegeben, auch 2009 und 2011 gab es entsprechende Meldungen.

Das biologische Herstellverfahren für Impfstoffe kann Vorlaufzeiten von bis zu drei Jahren haben, wie auch der zweite Anbieter Sanofi Pasteur MSD bestätigt. Sanofi betont, dass die eigenen Liefermengen konstant seien, aber in die Länder gesteuert würden, wo die Nachfrage besonders groß sei. Denn die Probleme von Novartis gibt es auch in anderen europäischen Ländern. Auch dort müssen Engpässe gestopft werden.

Auch wenn Deutschland als tollwutfrei gilt, kann vor allem von Fledermäusen durchaus noch eine Gefahr ausgehen. Vor allem in Indien, Südostasien und Afrika treten Tollwut-Infektionen immer wieder auf. Das Virus sitzt im Speichel von infizierten Tieren und kann durch Biss übertragen. Auch ein Anlecken kann gefährlich sein, wenn die Haut des Menschen nicht unversehrt ist.

Eine Impfung nach einem verdächtigen Kontakt verhindert einen Ausbruch der Krankheit, die etwa mit Fieber, Übelkeit oder Schlaflosigkeit beginnt. Danach verbreitete sich das Virus entlang der Nervenbahnen und es treten etwa Hyperventilation und Lähmungen, bis der Infizierte in ein Koma fällt und schließlich stirbt.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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