Top-Personalie
Heideldruck befeuert Fusionshoffnungen

Die vor wenigen Wochen beendeten Fusionsgespräche zwischen Heidelberger Druckmaschinen und Manroland könnten schneller wieder aufgenommen werden als erwartet. Darauf deutet eine Top-Personalie hin, die Heideldruck am Donnerstag bekannt geben wird.
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FRANKFURT. Vertriebschef Jürgen Rautert verlässt Heideldruck. Das wird im Umfeld des Unternehmens bestätigt. Ein Sprecher von Heideldruck wollte sich dazu nicht äußern. "Die Entscheidung ist ein klarer Hinweis darauf, dass das Thema Fusion mit Manroland noch nicht vom Tisch ist", heißt es im Konzernumfeld. Ganz ähnlich wird die Entwicklung bei Manroland interpretiert. Eine offizielle Stellungsnahme gibt es allerdings auch hier nicht.

Rauterts Kritik am Chef war zu laut

Die Personalie ist in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. So verlässt mit Rautert ein Manager die Unternehmensführung, der immer wieder Bedenken gegen die Fusion mit dem Rivalen geäußert hatte. Zwar stand er damit nach Informationen aus dem Unternehmensumfeld nicht alleine. Auch Finanzchef Dirk Kaliebe habe in vielen Punkten Bedenken gehabt, heißt es. Aber bei Rautert kommt hinzu, dass er grundsätzlich gegen den Kurs von Heideldruck-Chef Bernhard Schreier war. Seine Kritik habe er auch außerhalb des Vorstands geäußert, was ihm nun zum Verhängnis werde.

Mit dem Abgang von Rautert stärkt Schreier seine Position im Unternehmen. "Rautert hat Schreier immer wieder angegriffen, sich quergestellt. Schreier hat sich klar durchgesetzt", berichtet ein Unternehmenskenner. Schreier aber gilt als Befürworter einer Ehe mit Manroland. Hinzu kommt, dass in den eigentlich schon sehr weit gediehenen Fusionsplänen für Rautert kein rechter Platz vorgesehen war. So war geplant, dass Schreier den Chefposten bekommen sollte, Manroland-Chef Gerd Finkbeiner sollte den Vertrieb übernehmen. Später dann sollte Schreier in den Aufsichtsrat gehen und Finkbeiner an die Spitze rücken.

Die Druckmaschinenhersteller leiden seit Monaten unter der bislang schwersten Branchenkrise. Sie ist nicht nur durch einen allgemeinen Nachfrageeinbruch gekennzeichnet, der noch dazu auf erhebliche Überkapazitäten trifft. Ursache ist auch die zunehmende Verlagerung von Kommunikation ins Internet. So schreiben die drei Marktführer Heideldruck, Manroland und Koenig & Bauer im bisherigen Jahresverlauf allesamt rote Zahlen. Heideldruck musste zudem Staatshilfe in Anspruch nehmen, um überhaupt eine Finanzierung für die kommenden Jahre auf die Beine stellen zu können.

Monatelang hatten Heideldruck und Manroland über ein Zusammengehen gesprochen. Im Oktober waren die Pläne überrascht geplatzt, nachdem die beiden Aktionäre von Manroland, Allianz Capital Partners (ACP) sowie MAN, die Reißleine gezogen hatten. Neben der Verschlechterung der Geschäftslage bei Heideldruck und Manroland fürchten beide, bei der Ehe ein zu großes finanzielles Risiko eingehen zu müssen. Zudem wurde Heideldruck vorgeworfen, zu arrogant und hochnäsig aufgetreten zu sein.

Letzteres galt wohl für Rautert, aber auch Kaliebe. "Schreier hatte den Prozess sehr gewissenhaft und offen vorangetrieben", heißt es in verhandlungsnahen Kreisen. In Branchenkreisen heißt es, dass der Abgang von Rautert wohl nur der erste Schritt sei. "Weitere Manager sollten sich Gedanken machen", heißt es. Eine Abberufung von Kaliebe stehe aber nicht an.

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