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29.06.2008 

Konzerne wie die Deutsche Bank oder SAP müssen sich in Deutschland fragen lassen, ob sie überhaupt noch deutsch sind. Fürchten Sie solche Fragen auch aus Japan?

In der Zukunft müssen wir uns möglicherweise solchen Identitätsfragen stellen, doch zunächst sehe ich da gar keine Gefahr. Es ist beispielsweise ausgeschlossen, dass wir unser Firmenhauptquartier aus Tokio weg verlegen.

Der Anteil Europas am Absatz soll Ihrem Plan zufolge überproportional steigen. Welche Geschäftsbereiche wollen Sie stärken?

Wir sind derzeit in Europa nicht so umfangreich tätig. Wir verkaufen PCs und Fernseher. Damit machen wir 50 Prozent des Gesamtumsatzes in Europa. Aber zu Europa gehören nicht nur die entwickelten Länder Westeuropas, sondern auch die EU-Neumitglieder im Osten des Kontinents. Der Markt dort wird wachsen. Wir werden nicht bei TV und PC bleiben, sondern auch Halbleiter und die Medizintechnik ausbauen. Im Bereich Medizintechnik ist unser CT-Scanner besonders zu beachten. Mit einer neuen, besonders hoch auflösenden Technik hoffen wir, in diesem Bereich den Fuß in die Tür zu bekommen. Wie bereits erwähnt, wollen wir mehr Kernkraftwerke absetzen. Im letzten Jahr hatten wir im Ausland einen Umsatz von vier Billionen Yen. Der Europa-Anteil davon lag bei 14 Prozent. Diese Quote wollen wir 2010 auf 16 Prozent anheben. Wir erwarten dann einen Auslandsumsatz von sechs Billionen Yen.

Die deutsche Firma Siemens bietet wie Toshiba Energietechnik, Medizintechnik und Haushaltsgeräte an. Sehen Sie sich als Konkurrenten von Siemens?

Für uns wäre es sehr schwierig, mit Siemens in ihren Hauptgeschäftsbereichen in Europa zu konkurrieren. In bestimmten Bereichen, etwa Atomkraftwerken, machen wir jedoch mehr Druck. Oder im Geschäft mit der Wartung von sonstigen Kraftwerken - es gibt viele Kraftwerke in Europa. Die konventionellen Kraftwerke müssen erneuert werden. Der Bau neuer Kernkraftwerke ist ein gutes Geschäft, doch noch interessanter ist in Europa die Pflege vorhandener Geräte aller Kraftwerkstypen. Dort sehen wir noch gute Chancen. Schwierig dürfte es für uns beispielsweise sein, in den Markt für Krankenhausinformationssysteme einzudringen, obwohl wir hier in Japan recht stark sind. Wir müssen uns auf Geräte wie CT-Scanner konzentrieren. Wenn wir konkurrenzfähige Produkte haben, werden wir Erfolg haben.

Atsutoshi Nishida: Ein Freund klarer Worte

Der Manager
Atsutoshi Nishida ist seit 2005 Präsident und CEO von Toshiba. Der 64-jährige Politik- und Wirtschaftswissenschaftler verfügt über reiche internationale Erfahrung und hat beispielsweise von 1984 bis 1988 im rheinischen Neuss das europäische Laptop-Geschäft seines Unternehmens geleitet. "Klares Ziel, klare Worte, klare Durchführung", beschreibt er seinen Managementstil. Für die Zeit bis 2010 hat er sich ehrgeizige, aber erreichbare Ziele gesetzt: einen operativen Gewinn von drei Mrd. Euro bei einem Umsatz von 60 Mrd. Euro. Nishida steht morgens um 4.30 Uhr auf und ist schon um 6 Uhr in der Firma. Seit kurzem bekleidet er eine Führungsposition im japanischen Industrieverband Keidanren.

Das Unternehmen
Toshiba ist mit einem Umsatz von 46 Mrd. Euro und knapp 200 000 Mitarbeitern eines der Schwergewichte in Japans Industrielandschaft. Der Mischkonzern stellt neben Speicherchips auch Konsumprodukte wie Computer, Waschmaschinen, Musikspieler oder Klimaanlagen her. 2006 kaufte das Tokioter Unternehmen den US-Kernkraftwerksbauer Westinghouse und wurde 2007 Marktführer in diesem Bereich, auch dank eines Pakets von Großaufträgen aus den USA. Bei Mikrochips ist Toshiba auf Nand-Speicher spezialisiert, wie sie in USB-Sticks oder Digitalkameras stecken. Hier kooperiert das Unternehmen mit dem US-Anbieter Sandisk. Hauptkonkurrent ist hier - wie in der Haushaltselektronik - Samsung aus Korea.

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