Total-Chef Thierry Desmarest im Handelsblatt-Gespräch
"Ölpreis über 40 Dollar macht uns nicht glücklich"

Der Chef des Ölkonzerns Thierry Desmarest über höhe Benzinprise, die Situation von Yukos, ein mögliches Engagement von Total im Irak und Industriepolitik im Handelsblatt-Gespräch.

Handelsblatt: Wenn sie heute zum Tanken fahren, bekommen sie dann nicht auch einen Schreck?

Thierry Desmarest: Natürlich freut sich niemand, wenn der Preis an der Zapfsäule steigt. In Europa darf man aber nicht die Bedeutung der hohen Steuerlast auf dem Benzinpreis vergessen. Der Wechselkurs von Euro zu Dollar spielt mit hinein. Wir sollten also nicht überreagieren. Inflationsbereinigt war der Benzinpreis in der Vergangenheit auch schon höher.

Der Chef des viertgrößten Ölkonzerns der Welt freut sich aber über den steigenden Gewinn...

Wir sind über einen Ölpreis von über 40 Dollar pro Barrel überhaupt nicht glücklich. Uns wäre ein vernünftiges Niveau von 25 oder 30 Dollar lieber. Das ist genug, um in zusätzliche Produktionskapazitäten zu investieren. Und es gäbe auch keine negativen volkswirtschaftlichen Effekte. Das Problem ist, wir als Unternehmen haben keinen Einfluss auf den Barrelpreis. Es gibt genug Öl auf dem Markt. Weil der Puffer zwischen Angebot und Nachfrage aber so klein ist, wächst die Sorge, dass es doch zu einem Versorgungsengpass kommt. Investitionen in neue Kapazitäten sind daher sehr wichtig. Wir waren sehr aktiv, haben unsere Ölproduktion in den vergangenen Jahren im Schnitt um 5 Prozent erhöht und lagen damit besser als die Wettbewerber. Man kann sagen, wir haben mehr als unseren Anteil geleistet.

Wer ist denn dann für die hohen Preise verantwortlich?

Das Problem liegt darin, dass die Nachfrage in Asien stärker gewachsen ist als vorhergesehen und dass die Produzenten im Mittleren Osten einerseits nur wenig investiert und gleichzeitig nicht die Türen für ausländische Konzerne geöffnet haben. Und dort liegen zwei Drittel der weltweiten Reserven.

Reagieren die Opec-Staaten denn auf ihre Forderung, sich zu öffnen?

Die Reaktion auf meinen Vorschlag war durchaus positiv. Doch in der Ölbranche muss man geduldig sein. Und mit Blick auf den Mittleren Osten muss man ganz besonders geduldig sein. Ich glaube aber, dass wir in den kommenden fünf Jahren Abkommen mit den nationalen Ölgesellschaften im Mittleren Osten abschließen können.

Selbst die Internationale Energieagentur (IEA) wurde von der sprunghaft gestiegenen Ölnachfrage überrascht. Sie auch?

Ich war überrascht, dass die IEA, die ja die Nachfrage am besten beurteilen können sollte, diesen Sprung nicht gesehen hat. Ich glaube, in diesem Jahr wurden die Schätzungen allein fünfmal revidiert. Sicherlich sind manche Entwicklungen schwer vorherzusehen. Es ist aber schlecht, dass wir selbst die kurzfristige Nachfrage nicht besser einschätzen können.

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