Toyota und Sony: Opel kann Japan doch kompensieren

Toyota und Sony
Opel kann Japan doch kompensieren

Während Japans Industrie teils noch schwer unter den Folgen der Naturkatastrophe leidet, hat sich die Lage bei Opel wieder gebessert - die fehlenden Teile kommen jetzt per Luftfracht aus den USA.
  • 0

Tokio/RüsselsheimErst Toyota, nun auch Honda. Nach dem verheerenden Erdbeben in Japan stehen die Bänder bei den Autobauern Toyota und Honda weiter still. Honda verlängerte am Dienstag abermals seinen Produktionsstopp, weil die Zulieferung wichtiger Bauteile noch immer stockt. Die Arbeit in den Werken solle nun noch bis Sonntag ruhen, teilte das Unternehmen mit. Nach einer ersten Verlängerung des Produktionsstopps sollten bei Honda eigentlich ab Mittwoch wieder Fahrzeuge gebaut werden.

Beim deutschen Autobauer Opel sieht es hingegen wieder besser aus. Die Produktion bei Opel wird durch die Katastrophen in Japan weniger belastet als zunächst befürchtet. Im Werk Eisenach seien am Montag zwei Schichten ausgefallen, schon die Nachtschicht habe aber wieder arbeiten können, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag in Rüsselsheim. Am Freitag werde in Saragossa eine Schicht entfallen.

Zunächst hatte Opel längere Ausfallzeiten vorausgesehen. Grund für die Probleme ist ein elektronisches Bauteil für die Motorsteuerung des in Eisenach gebauten Corsa. Das Teil wird normalerweise aus Japan bezogen, wie der Sprecher erläuterte. Wegen der Störung der Fertigung in Japan werde es nun aus einem Werk in den USA geliefert - per Luftfracht. „Die Elektronik ist klein und leicht. Das kommt per Flugzeug“, sagte der Sprecher.

Opel habe als Reaktion auf die Schwierigkeiten in Japan eine Task Force eingerichtet. Logistikexperten, Einkäufer und Produktionsexperten beobachteten, wo es Engpässe gebe, und versuchten, Ausweichmöglichkeiten zu finden, erläuterte der Sprecher. Das sei möglich, weil die Autoindustrie inzwischen globalisiert sei. „Sehr große Serien machen rentabel und das Auto erschwinglich.“ Deshalb hätten die großen und auch viele mittlere Zulieferer Fertigungen überall dort, wo Autos gebaut würden.

Volkswagen will notfalls auf andere Zulieferer ausweichen, um trotz des Bebens in Japan ungestört weiterproduzieren zu können. „Wir haben Alternativen“, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag. Zunächst sei die Produktion im gesamten Konzern bis Ende der Woche gesichert. Für die Zeit danach prüfe ein Expertenteam das weitere Vorgehen. VW habe in Japan mehrere Partner, die unterschiedliche Komponenten zuliefern. Bei BMW gibt es bislang keine Auswirkungen auf die Produktion, sagte ein Sprecher. Derzeit prüfe der Konzern, ob es bei Sublieferanten Probleme geben könne.

Toyota wird die Wiederaufnahme seiner heimischen Produktion um mindestens einen Tag verschieben. Das berichtete der Fernsehsender NHK am Dienstag. Der zunächst geplante Termin am Mittwoch könne wegen Lieferschwierigkeiten bei Bauteilen nicht eingehalten werden, hieß es. Wegen der verheerenden Naturkatastrophe am 11. März hatten unzählige Unternehmen im High-Tech-Land Japan Schaden genommen und die Produktion teilweise eingestellt.

Auch Sony muss wegen Lieferengpässen der Zulieferer nach der Naturkatastrophe in Japan die heimische Produktion in fünf Werken bis Ende März einstellen. Das berichtete der Fernsehsender NHK. Betroffen seien die Werke in den Präfekturen Shizuoka, Aichi, Gifu and Oita. Es werde überlegt, die Produktion bis dahin ins Ausland zu verlagern, hieß es. Die fünf Werke stellten hauptsächlich Kameras, Handys, Flachbildschirme, Mikrofone und Sendetechnik her. Die Herstellung von Batterien in einem Werk in Shimotsuke in der Präfektur Tochigi im Norden von Tokio laufe unterdessen wieder. Wann die sieben Sony-Werke in den von der Katastrophe betroffenen Regionen Tohoku und Ibaraki ihre Produktion wiederaufnehmen werden, war noch unklar.   

Toyota erklärte laut NHK zur Begründung, dass derzeit die kritische Lage im Atomkraftwerk Fukushima Eins einige Zulieferer davon abhalte, ihre Produktion wieder aufzunehmen. In der Anlage droht seit Tagen eine Kernschmelze. Toyota erwäge deswegen, die erforderlichen Teile von anderen Zulieferern zu bekommen. Außerdem soll der Schwerpunkt der Produktion auf andere Modelle gelegt werden, für die alle Bauteile vorhanden seien.  Die japanischen Autokonzerne Honda und Nissan haben indes angekündigt, den Großteil der Produktion am Donnerstag wieder aufnehmen zu wollen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Toyota und Sony: Opel kann Japan doch kompensieren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%