Traditionsbranche in der Krise
Schuhproduktion als Auslaufmodell

In jedem Land gibt es Regionen und Orte, die zu einem Synonym für ein Produkt geworden sind: In Deutschland denkt man bei Solingen an Messer, in Frankreich ist die Stadt Dijon untrennbar mit Senf-Spezialitäten verknüpft. Der Ort Romans-sur-Isère ist in dem Land seit Jahrzehnten das Symbol für handgefertigte teure Schuhe.

HB PARIS. Doch die Geschäfte in Romans-sur-Isère laufen schlecht. Jetzt hat es zwei Traditionshäuser erwischt. Die Produktionsgesellschaft der Edel-Marke Stéphane Kélian wurde liquidiert, Konkurrent Charles Jourdan hat für drei Gesellschaften (Produktion, Vertrieb, Marketing) die Zahlungsunfähigkeit erklärt. Die Probleme der Luxus-Schuh-Anbieter werfen ein Schlaglicht auf eine Traditionsbranche, die um ihre Zukunft bangt.

„Ich fürchte das Ende der französischen Schuhproduktion“, sagt Patrick Moniotte, Präsident des Verbandes der französischen Schuhhersteller, bitter. „Wenn wir so weitermachen, verlieren wir unser Know-how, unsere Kapazität, Marken zu entwickeln sowie die Patente und Qualitätsprodukte.“

Die Krise währt schon lange: Produzierten die französischen Hersteller 1994 noch 155 Mill. Paare, waren es voriges Jahr nur noch 53,3 Mill. Zwar sind Hersteller wie Stéphane Kélian und Charles Jourdan weniger von der Billig-Konkurrenz aus Asien betroffen. Ihr Markt wird aber dennoch in die Zange genommen.

Oliver Mugnier, Geschäftsführer des französischen Schuhverbandes, sieht in der Veränderung des Kaufverhalten der Kundinnen den Hauptgrund für die Krise: „Sie geben kolossale Summen für eine Luxus-Handtasche aus und sparen das Geld bei Schuhen, wo die Markenbindung weniger ausgeprägt ist.“ Für ein Paar Edel-Schuhe sind 300 Euro und mehr fällig.

Zugleich bekommen die Mittelständler Konkurrenz von Luxus-Riesen wie Gucci, Louis Vuitton oder Christian Dior. Anbieter wie Jourdan fallen in ein Mittelstandsloch: Ihre Marken haben weniger Glamour als die der Luxus-Giganten; für ein echtes Massenprodukt sind die Schuhe wegen ihrer Fertigung

in Frankreich aber zu teuer.

Fans mag es wohl nur wenig trösten, dass die beiden Traditionsmarken wohl nicht vom Markt verschwinden werden; Stéphane Kélian gehört einem Geschäftsmann, der die Markenrechte in eine neue Gesellschaft eingebracht hat. Gleiches hat Lux-Diversity getan, Eigentümer von Charles Jourdan. Für die Schuhproduktion in Romans-sur-Isère sieht es jedoch düster aus.

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