Tranparenz-Studie
Die undurchsichtigen Geschäfte der Rüstungsriesen

Kaum eine Branche ist so anfällig für Korruption wie die Rüstungsindustrie, sagt Transparency International. In einer Studie stellt die NGO den Waffenherstellern ein schlechtes Zeugnis für ihre Korruptionsbekämpfung aus.
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DüsseldorfGerade einmal ein Jahr ist es her, da wurde der französische Staat und der Rüstungskonzern Thales zu einer Strafe von rund 630 Millionen Euro verurteilt. Bei einem Deal der staatlichen Rüstungswerften DCNI mit der taiwanesischen Kriegsmarine hatte der Konzern unter dem staatlichen Deckmantel 20 Prozent des Kaufpreises von 2,5 Milliarden Dollar für Schmiergelder abgezweigt, befand ein Pariser Gericht. Nicht der erste Fall, in dem Waffengeschäfte mit Schmiergeldern vorangetrieben wurden. Doch bis heute bekämpften die Rüstungskonzerne die Korruption nur halbherzig, sagt Transparency International.

In einer Studie hat die Nicht-Regierungsorganisation 34 Fragen an die Waffenhersteller gerichtet. Ihr Ergebnis: Von 129 untersuchten Unternehmen konnten nur zehn "gute Informationen über ihre Anti-Korruptionssysteme" vorweisen. Nur die relativ unbekannte Fluor Company aus Texas bekam die Spitzenbewertung. Deutsche, chinesische und russische Rüstungskonzerne schneiden dagegen schlecht ab. Krauss-Maffei Wegmann, der Panzerbauer, der zuletzt einen zwei Milliardendeal mit dem Golfstaat Katar über 200 deutsche Leopard-Panzer eingefädelt hat, gehört sogar zu den am schlechtesten bewerteten Unternehmen.

Sie sind nicht die einzigen mit einer schlechten Bewertung: 65 Prozent der Firmen bekamen in die die Noten E und F, darunter auch Rheinmetall AG und die Diehl Stiftung. Ein Ergebnis, das Anlass zur Sorge gibt. Immerhin kommen die untersuchten Unternehmen zusammen auf einen Umsatz von 11 Billionen Euro und beherrschen den weltweiten Rüstungsmarkt.

Besser schneiden dagegen US-Unternehmen ab. Northrop Grumman verpasst die Spitzenbewertung nur knapp. Auch die britische BAE Systems wird mit der Note B beurteilt. Der größte europäische Rüstungskonzern EADS und Thyssen-Krupp landeten mit einer C-Wertung im Mittelfeld.

Kaum eine Branche ist so regional konzentriert wie die Rüstungsindustrie: Von den sechs größten waffenexportierenden Nationen USA, Russland, Deutschland, Frankreich, England und China werden rund 79 aller Waffen verkauft. Was die Korruptionsbekämpfer besonders beunruhigt: Immer mehr Schwellenländer drängen mit eigenen Rüstungskonzernen auf die internationalen Märkte und geben dabei kaum Informationen frei. Von den 27 bewerteten Firmen aus Schwellenländern erreichen 23 eine schlechte Bewertung.

Kommentare zu " Tranparenz-Studie: Die undurchsichtigen Geschäfte der Rüstungsriesen"

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  • Beispiel Saab-Aktien mit Option auf Rüctungshightech wie die Kampfjet-"Grippen"-Pläne.

    Der TALIBAN muß zu den gleiche Konditionen am Weltmarkt einkaufen können wie der NATO-Staat.

    Jeder sollte das Recht haben eine Atombombe zu erwerfen.

  • Gute Menschen reizen die Geduld.
    Böse die Phantasie.

  • Kein Krieg der Welt ist sauber oder moralisch akzeptabel.

    Die Waffenlieferanten sollen sich aber stets ethisch korrekt verhalten.

    Die Perversität des Systems par excellence. lol

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