Transaktionen in der Chemiebranche
Die Konzerne kaufen wieder, aber vorsichtig

Die Neuordnung der Chemiebranche gewinnt an Fahrt, wie die letzten großen Übernahmen zeigen: Branchenführer BASF kauft Ciba, Dow Chemical übernimmt Rohm&Haas. Experten rechnen mit weiteren Deals, als Kandidaten gelten unter anderen Südchemie und Altana.

FRANKFURT. Die Neuordnung der Chemiebranche gewinnt offenbar an Fahrt. Dafür jedenfalls sprechen die jüngsten Großtransaktionen wie die zu Wochenbeginn angekündigte Übernahme von Ciba durch den Branchenführer BASF und der vor zwei Monaten besiegelte Kauf des amerikanischen Spezialchemieherstellers Rohm & Haas durch den Branchenzweiten Dow Chemical.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der drohenden Konjunkturflaute rechnen Branchenkenner mit weiteren Deals, wobei als Kandidaten für Transaktionen in der ein oder anderen Richtung unter anderem Clariant, Rhodia, Altana, Cognis, Rockwood oder Südchemie gehandelt werden.

"Ein Problem für viele kleinere Chemiefirmen besteht zudem darin, dass sowohl Zulieferer im Bereich der Basischemikalien als auch wichtige Abnehmerbranchen in den zurückliegenden Jahren weiter konsolidierten und damit ihre Preismacht stärkten", sagt Lutz Grüten von Landsbanki-Kepler. In etlichen Teilbereichen der Chemiebranche gebe es daher weiteren Konsolidierungsbedarf.

Übernahmen und Fusionen sind keineswegs neu für die Branche. Allerdings wurde das Geschehen in den vergangenen Jahren stark davon geprägt, dass zum einen Spezialchemiefirmen versuchten, ihre Position im jeweiligen Segment zu stärken, wie etwa Akzo durch die Übernahme des Farbstoffherstellers ICI. Zum anderen schickten sich Private-Equity-dominierte Firmen an, neue Strukturen zu schaffen. Typisches Beispiel dafür sind die zahlreichen Zukäufe des britischen Konzerns Ineos, die Übernahme von Lyondell durch den Kunststoffhersteller Basell oder der Kauf von Huntsman durch die US-Firma Hexion.

In der jüngsten Konsolidierungsbewegung haben nun erstmals die beiden Branchenführer BASF und Dow Chemical eine tonangebende Rolle übernommen. Tendenziell wird damit die Fragmentierung der Chemieindustrie in den 90er-Jahren korrigiert. Die Zerschlagung der alten Großchemie-Konglomerate wie Hoechst, ICI, Ciba-Geigy oder Rhone-Poulenc lief damals darauf hinaus, die etablierten Wertschöpfungsketten auseinanderzureißen. Es entstanden Spezialfirmen auf verschiedenen Stufen und in enger definierten Produktsegmenten des Chemiegeschäfts. Dazu gehören zum Beispiel reinrassige Pharmafirmen wie Novartis, Astra-Zeneca oder Sanofi-Aventis, Agrochemie-Spezialisten wie Syngenta oder Monsanto, aber auch eine ganze Reihe neuer Spezialchemiefirmen wie Ciba, Clariant, Celanese, Rhodia oder DSM. Auch die großen Ölkonzerne trennten sich von Teilen ihrer Chemiesparten, woraus Firmen wie Arkema oder Ineos entstanden.

Während aus den Pharma- und Agrochemiesparten fast durchweg hochprofitable neue Einheiten entstanden, zeigt sich im weiten Feld der Spezialchemie-Firmen ein ausgesprochen heterogenes Bild, was die Finanz- und Ertragskraft angeht. Das liegt nicht nur an der enormen Vielfalt der Chemieprodukte, sondern auch an ständigen Veränderungen in den Marktverhältnissen. Etliche Produktgruppen, die in den 90er-Jahren noch als "Spezialitäten" mit entsprechend hohen Margen galten, sind inzwischen zu so genannten "Commodities" geworden, das heißt zu Standardprodukten, bei denen ausschließlich der Verkaufspreis maßgeblich ist und andere Kriterien nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

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