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27.03.2008 
Deutschland beerdigt Vorzeigeprojekt

Transrapid-Debakel spaltet die Industrie

von Daniel Goffart und Peter Thelen

Die Pläne für die erste kommerzielle Transrapid-Strecke in Deutschland sind gescheitert. Wegen einer Explosion der Baukosten stoppten am Mittwoch Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) das Prestigeprojekt zwischen Flughafen und Hauptbahnhof in München nach einem Krisentreffen mit Vertretern des Transrapid-Firmenkonsortiums.

Lupe

BERLIN. Die Unternehmen hatten kurzfristig den Kostenrahmen von 1,85 Milliarden Euro auf 3,2 bis 3,4 Milliarden Euro heraufgesetzt. Weder der Bund noch Bayern wollen ihre bisherigen Finanzierungszusagen aufstocken. Den Schwarzen Peter für die Kostenexplosion schoben sich die Unternehmen gegenseitig zu.

Mit dem Aus in München dürfte der im Herbst 2007 vom damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) beschworene Traum einer kommerziellen Nutzung des Transrapids auf deutschem Boden endgültig ausgeträumt sein. Staat und Industrie hatten in diese Technologie in den vergangenen Jahren zwischen zwei und drei Milliarden Euro investiert. Bislang wird weltweit nur eine kommerzielle Strecke betrieben und zwar seit 2004 im chinesischen Schanghai. Trotz des jüngsten Rückschlags will die deutsche Industrie weiter in das Projekt investieren. „Die Magnetschwebebahn-Technologie ist eine Leuchtturmtechnologie Deutschlands“, sagte Siemens-Chef Peter Löscher. Die deutsche Industrie werde sich weiter um Absatzmärkte für den Transrapid außerhalb Chinas bemühen. Löscher nannte als Interessenten unter anderem Katar und die USA.


Bildergalerie Bild für Bild: Was in München geplant war - und was vom Großprojekt Transrapid übrig bleibt


Beckstein bedauerte das Aus und sprach von einem schlechten Tag für den Technologiestandort Deutschland. Auch die Wirtschaft äußerte sich kritisch: „Der Bau hätte ein Signal für die Innovationskraft der deutschen Industrie gesetzt“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf.

Beckstein und Tiefensee zeigten sich schockiert, dass die Industrie ihre Kostenschätzungen gegenüber den Vereinbarung mit Stoiber vom September 2007 „so massiv heraufgesetzt“ habe. Sie schoben vor allem den Baukonzernen die Verantwortung dafür zu. Auch Siemens-Chef Löscher gab indirekt der Bauindustrie die Schuld. Siemens und Thyssen-Krupp hätten sich an die Vorgaben gehalten, sagte er.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: was die anderen Beteiligten sagen

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