Die chinesische Regierung hatte am Wochenende verbreiten lassen, sie lehne den Ausbau der Transrapidstrecke von Schanghai in die Großstadt Hangzhou ab. Das deutsche Herstellerkonsortium der Magnetschwebebahn weiß nach eigenen Angaben jedoch nicht vom politisch verfügten Aus.
HB/ek/and MÜNCHEN. „Es gibt keinerlei Indikationen seitens des Kunden von einem Baustopp oder dergleichen“, sagte ein Sprecher von Transrapid International (TRI) am Dienstag. „Wir haben keine Informationen, dass das Projekt gestoppt worden ist. Es gibt auch keine Hinweise, dass das geplant ist“, sagte eine Sprecherin von Thyssen-Krupp Technologies. Der Münchener Technologiekonzern Siemens äußerte sich ähnlich. Beide zusammen bauen den Hochgeschwindigkeitszug.
Am Samstag hatte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, dass der Transrapid nicht mehr vom internationalen Flughafen bis ins 170 Kilometer entfernte Hangzhou verlängert werden soll. „Das Projekt ist in Absprache mit der Stadtregierung ausgesetzt worden“, so ein Behördensprecher.
Ein Beamter der Projektbehörde in Schanghai bestätigte am Sonntag dem Handelsblatt, dass damit auch der Ausbau zum zweiten Schanghaier Flughafen Hongqiao gestoppt sei. Grund für die Aussetzung sind angeblich Proteste von Anwohnern, die elektromagnetische Strahlungen fürchten. Vertreter des Konsortiums hatten eine solche Gefährdung bislang stets ausgeschlossen. Der Sicherheitsabstand zu den Wohnhäusern soll in Schanghai jedoch unter 25 Metern liegen, während die Hersteller 100 Meter empfehlen.
Nach Xinhua-Angaben ist Pekings Regierung auch wegen der explodierenden Kosten beunruhigt. Die veranschlagten Projektkosten von 3,3 Mrd. Euro sollen bereits um rund 485 Mill. Euro über dem Budget liegen. Ursprünglich sollte die Strecke zur Expo 2010 in Betrieb gehen. „Es ist immer noch schwer zu sagen, ob der Transrapid überhaupt gebaut wird, aber selbst wenn, ist es unmöglich, das Projekt noch vor 2010 zu beenden“, zitierte Xinhua einen Verkehrsbeamten der mächtigen Pekinger Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission.
Die Hersteller verwiesen dagegen auf die ausstehende Entscheidung der Zentralregierung in Peking. Ein Sprecher unterstrich, dass die laufenden Gespräche mit den chinesischen Stellen unverändert fortgeführt würden. Bisher wurde erwartet, dass sich die chinesischen Machthaber Ende Mai endgültig festlegen wollen. Im Poker um die Verlängerung war es zwischen der Industrie, der Betreibergesellschaft vor Ort und der chinesischen Politik immer wieder zu Reibereien gekommen.
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Nach dem vorläufigen Baustopp droht dem Herstellerkonsortium von Siemens und Thyssen-Krupp ein Verlust in Millionenhöhe. Die Firmen haben nach Angaben aus deutschen Verhandlungskreisen bereits „erhebliche Vorleistungen“ in das Projekt fließen lassen.
Unternehmenskreise in Deutschland räumten zudem ein, dass ein ebenfalls mögliches Scheitern der Magnetbahnstrecke zwischen Münchener Flughafen und Hauptbahnhof München das Aus für die Technologie bedeuten könnte. Für die geplante Strecke ist die vollständige Finanzierung nach wie vor ungeklärt.
Iran liebäugelt mit Transrapid
Zu einem angeblichen Interesse des Iran an der deutschen Magnetschwebebahn äußerten sich Thyssen und Siemens zurückhaltend. Es habe bisher keine Kontaktaufnahme gegeben, sagte eine Siemens-Sprecherin. „Wir sind in die Planungen nicht eingeschaltet. Wir konzentrieren uns auf die weit vorangeschrittenen Projekte München und Schanghai“, ergänzte Thyssen.
Der Iran prüft einem Zeitungsbericht zufolge den Bau einer 800 Kilometer langen Strecke, um Pilger von der Hauptstadt Teheran nach Maschhad zu bringen. Die Münchener Ingenieurfirma Schlegel sei mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt worden, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ deren Geschäftsführer Harald Späth. Die iranische Regierung habe 1,5 Mrd. Dollar als Anschubfinanzierung bereitgestellt. Späth war am Dienstag nicht zu erreichen.
Das Transrapid-Konsortium räumte zwar ein, dass es Kontakt mit dem Ingenieurbüro gegeben habe, von konkreten Planungen sei man aber noch weit entfernt. Siemens verwies darauf, dass es derzeit weltweit etliche Machbarkeitsstudien zum Transrapid gebe, darunter in den USA, Großbritannien und im Golfstaat Katar. Die Projekte seien in unterschiedlichen Phasen, viele zögen sich noch über Jahre hin und führten möglicherweise nie zu einem Auftrag.
Der Transrapid ist derzeit nur in Schanghai im kommerziellen Einsatz. Die Magnetschwebebahn verbindet über 30 Kilometer das chinesische Finanzzentrum mit dem internationalen Flughafen. Die geplante Strecke von München zum Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt ist politisch und wirtschaftlich umstritten.

