China hat grünes Licht für eine neue Transrapid-Strecke gegeben. Nach jahrelangen Verhandlungen will das Land seine Hochgeschwindigkeits-Trasse nun in Schanghai auf rund 200 Kilometer verlängern. Die deutsche Industrie steht damit vor einem milliardenschweren Auftrag.
HB PEKING/BERLIN. Der chinesische Staatsrat habe die Verlängerung der Flughafenanbindung von Schanghai beschlossen, erklärte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Mittwoch in Berlin. Die Trasse würde damit Schanghai, den Flughafen und das Ausstellungsgelände der Expo 2010 mit der Millionenstadt Hangzhou verbinden. Tiefensee sagte, damit sei mit einem erheblichen Investitionsvolumen für die deutsche Industrie zu rechnen. Der Transrapid wird von einem Konsortium der Konzerne Thyssen-Krupp und Siemens gebaut. Die Entscheidung des Staatsrates sei eine wichtige Weichenstellung zum Bau der Strecke, sagte Transrapid-Sprecher Peter Wiegelmann. Nun würden technische Details und der Kostenrahmen definiert.
„Wir freuen uns sehr, dass damit ein großer Schritt auf dem Weg zu den Endverhandlungen gemacht ist“, sagte ein Siemens-Sprecher. „Die Verlängerung wird mit uns gemacht“, sagte er unter Hinweis auf Planungen in China für eine eigene Magnetschwebebahn. Diese hatte zuletzt auch in der Bundesregierung für Unruhe gesorgt. China gilt als Land, in dem Patentrechte wenig respektiert werden.
Zum Zeitplan machten die Sprecher keine Angaben. Es gilt aber als sicher, dass zumindest die Verlängerung bis zum Messe-Gelände von Schanghai bis zum Beginn der Weltausstellung im Jahr 2010 abgeschlossen sein soll. Die Aktien von Thyssen-Krupp legten am frühen Nachmittag um knapp zwei Prozent, die von Siemens um gut ein Prozent zu. Der Aktienindex Dax lag nur knapp im Plus.
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China hatte mit Beginn des Jahres 2003 als erstes Land weltweit eine kommerzielle Strecke von rund 30 Kilometern Länge zwischen dem Wirtschaftszentrum und dem Flughafen Schanghai in Betrieb genommen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 430 Kilometern in der Stunde erreicht der Zug sein Ziel in acht Minuten. Seitdem sind mit der Schwebebahn rund sechs Mill. Menschen gefahren. Das Projekt kostete rund 1,2 Mrd. Euro.
Bereits damals war die Verlängerung nach Hangzhou in Aussicht gestellt worden, die Gespräche zogen sich aber über Jahre in die Länge. Noch im Oktober hatte der damalige Verkehrsminister Manfred Stolpe von einem Vertragsabschluss in greifbarer Nähe gesprochen.
Die Trasse in Schanghai ist bislang der weltweit einzige kommerzielle Einsatz der Magnetschwebebahn. In Deutschland ist bislang lediglich eine Flughafenanbindung in München geplant, deren Finanzierung allerdings noch unklar ist. Geschätzt werden die Kosten für die etwa 36-Kilometer lange Strecke auf 1,6 Mrd. Euro. Früher geplante Verbindungen im Ruhrgebiet und zwischen Hamburg und Berlin wurden wegen der Kosten verworfen.
Auch in Nordamerika sind Transrapid-Projekte geplant, die im vergangenen Jahr einen Schub erhielten. Der US-Kongress hatte 90 Mill. Dollar für die Planung von zwei Transrapid-Strecken bewilligt. Die Hälfte der Mittel sind für Planfeststellungsverfahren und Finanzierungsplanungen der 56-Kilometer-Strecke um Las Vegas vorgesehen. Die zweite Tranche soll für Projekte an der Ostküste verwandt werden: Hier konkurrieren die 87-Kilometer-Strecke vom Flughafen Pittsburgh nach Greensburg, die 63-Kilometer-Trasse von Baltimore nach Washington und das 50-Kilometer-Projekt von Atlanta zum Flughafen Hartsfield miteinander.

