Trasylol
Behörden stoppen Bayer-Arznei

Das vorläufige Aus für das Blutungs-Medikament Trasylol beschert der Bayer-Pharmasparte einen weiteren Rückschlag. Ein weiteres Beispiel dafür, wie die wachsenden Sicherheitsanforderungen an Pharmahersteller zu einem Risikofaktor für die Branche werden.

FRANKFURT. Der Bayer-Konzern muss sein umstrittenes Medikament Trasylol nun doch vom Markt nehmen. Auf Druck der Zulassungsbehörden in Deutschland und den USA kündigte das Unternehmen gestern an, den Vertrieb des Medikaments gegen Blutverlust bei Operationen vorläufig einzustellen.

Auslöser war eine kanadische Studie, die ein erhöhtes Todesfallrisiko in Verbindung mit Trasylol offenbarte und daher Ende Oktober vorzeitig abgebrochen werden musste. Vor allem das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) drängte daraufhin auf ein Vermarktungsstop für Trasylol, heißt es in Unternehmenskreisen. Dem habe sich die US-Behörde FDA angeschlossen.

Nach den enttäuschenden Testresultaten beim Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon in der vergangenen Woche verbuchte die Bayer-Pharmasparte damit den zweiten Rückschlag innerhalb weniger Tage. Allerdings hat Trasylol nur noch begrenzte wirtschaftliche Bedeutung für den Konzern, nachdem in den vergangenen beiden Jahren die Umsätze mit dem Produkt bereits deutlich zurückgegangen sind. In den ersten neun Monaten erreichten sie nach Angaben von Bayer noch 93 Mill. Euro, was etwas mehr als einem Prozent der Gesamterlöse der Bayer-Pharmasparte entspricht. Vor zwei Jahren verbuchte das Mittel noch einen Jahresumsatz von rund 230 Mill. Euro.

Unter dem Eindruck der Diskussionen über die Sicherheit des Medikaments hatten viele Analysten die Bewertungen für das Produkt bereits stark reduziert oder komplett aus ihren Ertrags-Modellen für Bayer eliminiert. Die Börse zeigte daher gestern keinerlei Reaktion auf den Vermarktungsstopp. Die Bayer-Aktie legte in einem schwachen Markt vielmehr leicht zu, weil viele Investoren offenbar darauf setzen, dass Firmenchef Werner Wenning heute mit relativ guten Quartalszahlen und einem verbesserten Ausblick aufwarten kann.

Trasylol ist ein Spezialprodukt, das vor allem bei Herzoperationen eingesetzt wird, um den Blutverlust bei Patienten zu vermindern. es ist seit 1993 auf dem Markt und wurde nach Angaben von Bayer seither bei etwa fünf Millionen Patienten eingesetzt. Im vergangenen Jahr wurden etwa 200 000 Menschen mit dem Mittel behandelt, davon gut die Hälfte in den USA.

Seit mehr als einem Jahr steht das Medikament unter dem Verdacht, dass es zu Nierenschäden und Herzinfarkten führen kann. Bereits im Januar 2006 kamen Autoren des New England Journal of Medicine zu dem Ergebnis, dass eine fortgesetzte Anwendung des Mittels nicht angebracht sei und sichere sowie preiswertere generische Medikamente zur Verfügung stünden.

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