Treffen mit Merkel geplant
Sarkozy erhöht bei EADS den Druck auf Deutschland

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist fest entschlossen, den Aktionärspakt bei EADS neu zu verhandeln. Wie er am Samstag auf der Pariser Airshow verkündet hat, will er dieses Thema am 16. Juli in Toulouse mit Bundeskanzlerin Angela Merkel diskutieren.

PARIS. „Mein Wunsch ist, dass die Aktionäre und die Staaten (...) mit einer Stimme über die entscheidenden Dinge für die Zukunft sprechen. Ich denke zuerst an die Governance Frage“, sagte Sarkozy zum Thema EADS. Er lud die Referenzaktionäre Daimler und Lagardère ein, ebenfalls nach Toulouse zu kommen, um an einer „Arbeitssitzung“ teilzunehmen. Sarkozy will offenbar die Doppelspitze abschaffen: „EADS muss ein normales Unternehmen werden“, sagte er.

Die deutsche Seite droht nun, angesichts Sarkozys Handlungsdrang unter Zugzwang zu geraten. Denn zwar hat auch der deutsche EADS-CEO Thomas Enders noch vergangene Woche gegenüber dem Handelsblatt eingeräumt, dass die derzeitige Doppelspitze bei EADS keine Dauerlösung sei. Doch Enders wie auch sein französischer Kollege Louis Gallois halten den Moment nicht für günstig, diese heikle Frage zu erörtern. Denn die EADS-Tochter Airbus steckt mitten in einer schmerzhaften Restrukturierung. Daimler will derzeit auch nichts von einer Neuverhandlung des Paktes wissen. Daimler hat sogar Druck auf die Bundesregierung ausgeübt, nicht zu dem Treffen mit Sarkozy zu reisen.

Der Aktionärspakt aus dem Jahr 2000 sieht vor, dass je ein Vertreter Daimlers (15 Prozent Aktienanteil) und Lagardèrs (7,5 Prozent) dem Verwaltungsrat vorstehen. Ferner hat EADS zwei CEOs. Der französische Staat (15 Prozent) hat keinen Einfluss auf das operative Geschäft. Nur unter dieser Bedingung war Daimler damals bereit, eine Staatsbeteiligung bei EADS zu akzeptieren.

Neben der heiklen Frage der Doppelspitze will Sarkozy in Toulouse mit den Deutschen die Finanzierung der Entwicklung des neuen Langstreckenjets A350 erörtern. Hierzu will Frankreichs Staatspräsident „in einigen Wochen“ Vorschläge auf den Tisch legen. Airbus veranschlagt die Entwicklungskosten auf rund elf Milliarden Euro.

Frankreich drängt auf eine Kapitalerhöhung, die der Staat mitzeichnen würde. Daimler und Lagardère sind indes gegen eine Kapitalerhöhung, da sie kein frisches Geld bei EADS einschießen wollen. Zeichnen sie aber eine Kapitalerhöhung nicht, so würde ihr EADS-Anteil verwässert; im Gegenzug würde relativ gesehen Frankreichs Gewicht im Kapital von EADS steigen.

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