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Trennung wird teuer: Thyssen-Krupp zahlt gefeuerten Managern hohe Abfindungen

exklusivThyssen-Krupp muss für den Austausch des halben Vorstands mit Millionen-Kosten rechnen. Die drei geschassten Manager erhalten mindestens je 3,2 Millionen Euro. Doch der Industriekonzern hat eine Deckelung eingebaut.

Thyssen-Krupp-Zentrale: Die Trennung von drei Vorständen kostet den Konzern viel Geld. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp-Zentrale: Die Trennung von drei Vorständen kostet den Konzern viel Geld. Quelle: dpa

DüsseldorfDie Trennung von drei Vorständen kommt den Stahlkonzern Thyssen-Krupp teuer. Technikvorstand Olaf Berlien, Compliance-Vorstand Jürgen Claassen und Stahlchef Edwin Eichler werden nach Berechnungen des Handelsblatts zusammen zwischen elf und zwölf Millionen Euro kassieren.

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Thyssen-Krupp profitiert davon, dass die erst vor kurzem um fünf Jahre verlängerten Verträge mit Berlien und Eichler geändert worden waren. Sonst hätten die sogenannten „Ausgleichszahlungen“ sogar bei knapp 20 Millionen Euro gelegen. Thyssen-Krupp wollte sich dazu nicht äußern.

Drei Vorstände gehen Thyssen-Krupp räumt in der Chefetage auf

Edwin Eichler, Olaf Berlien und Jürgen Claassen gehen bereits zum Jahresende.

Drei Vorstände gehen: Thyssen-Krupp räumt in der Chefetage auf

Seit 2009 werden in dem Essener Unternehmen Abfindungen auf zwei Jahresvergütungen begrenzt. Frühere Verträge sahen einen solchen Deckel nicht vor. Trennten sich Unternehmen von ihren Vorständen, mussten sie das Gehalt für die gesamte Laufzeit des Vertrags auszahlen. Obergrenzen werden heute vom Corporate Governance Kodex empfohlen, weil die millionenschweren goldenen Handschläge zu massiver Kritik führten.

Die Schattenseiten von Thyssen-Krupp

  • Umgang mit Geschäftspartnern

    Thyssen-Krupp soll den Wettbewerber Salzgitter bei einer Gemeinschaftsfirma betrogen haben. Im Zentrum der Vorwürfe steht GfT Bautechnik, an der Salzgitter bis vor einem Jahr beteiligt war und die exklusiv die Spundwände der Niedersachsen vertrieben hatte. Bei einer Prüfung im Sommer 2011 sei Salzgitter aufgefallen, dass der Ruhrkonzern zu wenig Geld an die Niedersachsen für die Lieferung dieser Stahlprodukte überwiesen habe.

  • Umgang mit Geschäftspartnern (2)

    Thyssen-Krupp muss sich wegen illegaler Preisabsprachen im Schienengeschäft auf eine Klage der Deutschen Bahn gefasst machen, allerdings wird auch weiter über eine außergerichtliche Einigung verhandelt. Thyssen-Krupp war Teil eines Karrtells, zu dem auch die österreichische Voestalpine und das Bahntechnikunternehmen Vossloh gehörten. Die Firmen sollen von 2001 bis 2008 und teilweise bis 2011 Preise – unter anderem zum Schaden der Bahn – abgesprochen haben.

  • Umgang mit Gewerkschaftern

    Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hat Gewerkschafter zu kostspieligen Reisen in der ersten Klasse eingeladen. Mehrfach flogen Vertreter des Arbeitnehmerflügels im Aufsichtsrat nach Asien und Amerika, aber auch zu exotischen Zielen. Die Reisen hatten zum Teil touristischen Charakter

  • Querelen im Vorstand

    ThyssenKrupp-Vorstand Jürgen Claassen ließ im Zuge von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Essen im Zusammenhang mit Luxusreisen Anfang Dezember 2012 sein Amt ruhen. Er wolle durch den Schritt „angesichts der derzeitigen öffentlichen Berichterstattung Schaden vom Unternehmen fernhalten“. Claassen war wegen luxuriöser Reisen in die USA unter Druck geraten, die er von seinem Arbeitgeber finanzieren ließ, obwohl sie nicht vornehmlich dienstlich veranlasst schienen.

    Wenige Tage später griff Aufsichtsratschef Gerhard Cromme durch und setzte nicht nur Claassen vor die Tür. Auch zwei weitere Vorstände mussten gehen – insgesamt die Hälfte der Mitglieder des Top-Führungsgremiums.

  • Korruptionsvorwürfe

    Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt gegen 14 Beschuldigte wegen des Verdachts auf Untreue. Im Zusammenhang mit einem Bauprojekt in Kasachstan soll es Schmiergeldzahlungen an eine Briefkasten-Firma im US-Bundesstaat Georgia gegeben haben. Die Ermittlungen gingen auf interne Ermittlungen von Thyssen-Krupp zurück.

  • Das Werk in Brasilien (1)

    Als Thyssen-Krupp 2005 seine Pläne für die Expansion auf den Stahlmarkt in Südamerika und den USA präsentierte, klang alles sehr einfach. Mit günstig in Brasilien produziertem Qualitätsstahl wollte der Ruhrkonzern den US-Hüttenbetreibern Marktanteile abjagen. Dass deutsche und asiatische Autokonzerne zeitgleich im Süden der USA Produktionsstätten errichteten, machte die Strategie plausibel.

    Problematisch war allerdings die Umsetzung. Die Stahlhütte vor den Toren der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro kostete nicht 1,3 Milliarden Euro, wie zunächst angekündigt. Die Investitionen summierten sich letztendlich auf mehr als fünf Milliarden Euro. Das Werk wurde weitaus teurer. Wegen Fehlplanungen muss die Kokerei umfangreich nachgebessert werden, auch bei anderen Teilen des Hüttenwerks gibt es Probleme.

  • Das Werk in Brasilien (2)

    Im Werk der lokalen Thyssen-Krupp-Tochter CSA wurde mehrfach Graphitstaub in die Luft gewirbelt. Der sogenannte „Silberregen“ setzte sich in etwa zwei Kilometern Entfernung vom Stahlwerk im Nachbarort Santa Cruz auf Straßen und Häusern ab. Die Anwohner klagten über Atembeschwerden und Hautausschläge. Seit der Eröffnung des Werks im Jahr 2010 hat Thyssen-Krupp-CSA wegen der Pannen mehrfach Strafen zahlen müssen: umgerechnet 700.000 Euro beim ersten, 1,1 Millionen Euro beim zweiten Mal und zuletzt vier Millionen Euro.

  • Das Werk in den USA

    Auch beim Bau eines Stahlwerks im US-Bundesstaat Alabama hatte sich der Stahlkonzern verkalkuliert. Wegen Planungsfehlern und veränderten Rahmenbedingungen entwickelte sich auch diese Projekt zu einem Milliardengrab. Gemeinsam belasten die beiden Hütten die Bilanz mit mehreren Milliarden Euro. Insgesamt hat Thyssen-Krupp zwölf Milliarden Euro für die Werke ausgegeben.

Am Mittwochabend hatte der Personalausschuss des Aufsichtsrats unter Leitung des Chefkontrolleurs Gerhard Cromme entschieden, dass der Konzern sich von den drei Managern trennen will. Dieses Votum muss der gesamte Aufsichtsrat Anfang kommender Woche noch bestätigen.

Die Stärken von Thyssen-Krupp

  • Stärke 1

    Mutiger Chef: Mit Heinrich Hiesinger hat Thyssen-Krupp im Frühjahr 2011 einen entscheidungsfreudigen Chef erhalten. Schon Mitte vergangenen Jahres – wenige Monate nach seinem Amtsantritt – stellte er Bereiche wie Edelstahl zum Verkauf. Kurz danach folgte die Ankündigung, auch die Stahlwerke in Brasilien und den USA veräußern zu wollen. Thyssen-Krupp kann sich die Verluste dort nicht leisten. Wichtigstes Merkmal für Hiesinger ist, er ist vollkommen unabhängig. Dass gibt ihm laut Beobachtern die Chance, auch unpopuläre Entscheidung durchzuziehen.

  • Thyssen-Krupp Stärke 2

    Aufstellung: Im Konzern Thyssen-Krupp gibt es eine Reihe von Perlen, die nun entwickelt werden sollen. Stark sind vor allem die Sparten Aufzüge und Anlagenbau. Beide haben sich in den vergangenen Jahren als solide Erlösbringer erwiesen. Der Konzern will die Bereiche nun stärken.

  • Thyssen-Krupp Stärke 3

    Stahlsparte: Bei aller Kritik am Stahlgeschäft – Thyssen-Krupp ist einer der Qualitätsführer bei Flachstahl in Europa. Premiumhersteller wie BMW, Daimler und Volkswagen sind gute Kunden – Thyssen-Krupp verdiente auch im jetzigen schwierigen Marktumfeld noch Geld.

Die Manager werden für Fehlinvestitionen in Amerika und für Fehlverhalten im Unternehmen verantwortlich gemacht. Die Trennung erfolgt mit sofortiger Wirkung. Claassen war erst seit 2011 im Vorstand und geht mit etwa 3,2 Millionen Euro Abfindung, die beiden anderen Vorstände mit jeweils rund vier Millionen.

 

  • 10.12.2012, 05:53 UhrJuanPerdomo69

    Insider sagt dazu: Eine Revision und Ueberpruefung der Ausgaben in Brasilien wuerde zu Tage foerdern, dass ueber Scheinfirmen Milliarden rausgezogen wurden, die Herren lachen ueber die Abfindung! die habe laengst mit dem Bu des Stahlwerkes ausgesorgt!!

  • 07.12.2012, 07:38 UhrAn_interested_reader

    Is there no clause in the employment contracts of these gents which eliminates Abfindungs payments in the case of "dismissal for cause"?

    How can poor house TK afford to be so incompenly generous?

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