Triebwerkshersteller
MTU holt Luft für kommende Turbulenzen

Der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines hat vergangenes Jahr Umsatz und Gewinn gesteigert. Das kommt an der Börse richtig gut an, da MTU die Erwartungen übertroffen hat.

| MÜNCHEN. Der Münchener Triebwerksspezialist MTU bleibt trotz der sich abzeichnenden Turbulenzen im Luftverkehr gelassen. „Die Branche steht vor großen Unsicherheiten, aber wir sind gut positioniert“, sagte Konzernchef Egon Behle am Montag in München. Der Umsatz werde 2009 mit 2,8 Mrd. Euro stabil bleiben. Behle geht von einer Umsatzmarge von zehn Prozent aus, nach zwölf Prozent in diesem Jahr. 2008 hat MTU die Erwartungen mit einem Vorsteuergewinn von 405 Mio. Euro voll erfüllt.

MTU ist mit Zulieferungen an fast allen Triebwerksprogrammen ziviler Passagierjets beteiligt. 40 Prozent des Umsatzes stammen aus der Entwicklung und der Fertigung von Triebwerkskomponenten, weitere 40 Prozent erwirtschaftet MTU mit Instandhaltung und Wartung. Knapp 20 Prozent stammen aus militärischen Aufträgen wie dem Eurofighter und dem ins Trudeln geratenen europäischen Militärtransporter A400M.

Die Zuversicht des MTU-Chefs steht in krassem Widerspruch zu den Einbrüchen im Luftverkehr. Laut dem Weltluftverkehrsverband IATA gingen im Januar die Passagierzahlen um fast sechs Prozent zum Vorjahr zurück, der Frachtverkehr brach um rund ein Viertel ein. Immer mehr Flugzeuge werden stillgelegt und damit auch nicht mehr gewartet.

Auch Behle räumt schwierigere Zeiten im Instandhaltungsgeschäft ein. „Wir erwarten einen deutlichen Rückgang bei Geschäftsreiseflugzeugen und bei Komponenten“, sagte er. Gleichzeitig habe die MTU aber zahlreiche Neuaufträge im Wartungsgeschäft einholen können. Zudem blieben die beiden übrigen Geschäftsfelder ziviler Triebwerksbau und militärische Triebwerke weitgehend stabil. Das Polster ist komfortabel: Absolut ist der Auftragsbestand 2008 um 31 Prozent auf vier Milliarden Euro angewachsen.

Im zivilen Triebwerksbau hängt das Geschäft vor allem an der Entwicklung des Airbus A320. MTU ist an einem Konsortium beteiligt, dass mit dem V2500 das Standardtriebwerk für den Airbus-Bestseller liefert. Bislang hat Airbus die Produktion nur leicht gedrosselt, das dürfte aber erst der Anfang sein. „Längerfristig gehen wir davon aus, dass die Produktion bei Airbus und Boeing noch weiter sinken wird“, sagt Behle.

MTU will daher seine Abhängigkeit von der V2500 reduzieren. Mit Pratt&Whitney haben die Münchener ein Turbofan-Getriebe entwickelt, das bis zu 15 Prozent weniger Sprit verbrauchen soll als herkömmliche Antriebe. Mit General Electric (GE) unterzeichnete MTU einen Vertrag zur Partnerschaft bei den neuen Genx-Triebwerken, die unter anderem die Boeing-Dreamliner antreiben sollen und für die fast 1000 Bestellungen vorliegen. Erstmals beteiligen sich die Münchener gemeinsam mit GE an einem Triebwerk für Schwerlasthubschrauber. „Alle Programme zusammen haben für die kommenden 25 bis 30 Jahre ein Umsatzpotenzial von 30 Mrd. Euro“, sagte Behle.

Offen ist weiterhin die Zukunft des Militärtransporters A400M, an dessen Triebwerk die MTU maßgeblich beteiligt ist. Airbus Military, Generalunternehmer des Projektes, hat wiederholt die Triebwerkshersteller für die Verspätung der Maschine verantwortlich gemacht. Derzeit laufen die Erprobungen der mächtigen Turbopropeller, noch in diesem Jahr soll der Erstflug stattfinden. Die Hauptabnehmer wie Großbritannien, Deutschland und Frankreich haben ein Kündigungsrecht. Während die EADS das Gesamtrisiko eines Abbruchs mit sechs Mrd. Euro beziffert, will MTU die Rückstellungen über 45 Mio. nicht erhöhen.

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