Trotz Gewinneinbruch
BMW voll auf Kurs

Der Premiumhersteller BMW verdient im zweiten Quartal deutlich weniger. Für die erfolgsverwöhnten Münchner ein herber Schlag. Doch auf den zweiten Blick sieht es besser aus, als das deutliche Minus erwarten lässt.
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MünchenSchlechte Nachrichten kannte man in München schon gar nicht mehr. Doch die neuen Zahlen, die der Autobauer BMW heute vorgelegt hat, wirken auf den ersten Blick desaströs. Im zweiten Quartal sackte das Ergebnis vor Steuern um ein Viertel auf 1,977 Milliarden Euro ab. Das sind 25,4 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Unterm Strich ging der Gewinn um 28,1 Prozent zurück auf 1,277 Milliarden Euro. Die Krise hat auch BMW erreicht - könnte man meinen.

Doch bei anderen wichtigen Kennzeichen ist BMW nach wie vor einsame Spitze: Beim Umsatz erfüllte BMW mit rund 19,2 Milliarden Euro (plus 7,3 Prozent) die Erwartungen der Analysten. Die Rendite im Kernsegment Automobile lag mit 11,6 Prozent sogar über den Einschätzungen der Experten. Genauso rentabel ist nur Audi, Daimler hingegen verbuchte hier zwischen April und Juni nur 8,6 Prozent. Für das Gesamtjahr 2012 bekräftigte der Konzern die Prognose, wonach beim Absatz wie beim Vorsteuerergebnis die Vorjahreswerte übertroffen werden sollen. Damit dürfte die Konkurrenz im Premiumbereich erneut auf die Plätze verwiesen werden.

Die wesentlichen Gründe für das schlechtere Verhältnis von Gewinn und Umsatz sind vor allem Sondereffekte und Investitionen in die Zukunft. Die Entwicklung neuer Modelle und Technologien verschlingt Millionen. Zudem ist die Vergleichsbasis des Vorjahres schon deswegen höher, weil damals ein Sondereffekt aus niedrigeren Restwert- und Kreditrisiken positiv zu Buche geschlagen hat. Analysten hatten diese Effekte in ihren Prognosen bereits berücksichtigt, aber mit etwas höheren Ergebniszahlen gerechnet. An der Börse verlieren die Papiere im Vormittagshandel rund 4,3 Prozent und notieren nun bei 58,16 Euro. Unterm Strich verbucht der Konzern trotz des Gewinneinbruchs das zweitbeste Quartal der Firmengeschichte.


Weltweit verkaufte der Nobelhersteller im zweiten Viertel 475.011 Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce, ein Plus von 5,4 Prozent - wie der Umsatz erneut ein Rekordwert. Im Duell der Oberklasse-Limousinen zwischen BMW 7er und Mercedes S-Klasse haben die Bayern auf vielen wichtigen Märkten die Nase vorn. Nach 180.000 verkauften Einheiten ihrer aktuellen, 2008 eingeführten Baureihe spendierten sie ihrem Flaggschiff für die zweite Halbzeit des Modellzyklus unlängst ein umfangreiches Facelift. Rechtzeitig, bevor nächstes Jahr Mercedes seine brandneue S-Klasse enthüllt.

Für 2013 plant BMW die neue 4er-Reihe direkt in mehreren Varianten. Coupé, Cabriolet und Gran Coupé wechseln dann von der 3er- in die 4er-Reihe, berichtete kürzlich "Auto Bild". Demzufolge fällt der Modell-Startschuss im Frühjahr 2013 mit dem 4er-Coupé und -Cabrio, das Gran Coupé folgt im Herbst 2014. Darüber hinaus wird es von allen 4ern eine sportlich-kernige M4-Variante geben. Gemessen an den Preisen der 3er-Limousine sollen die 4er-Modelle zwischen 3.500 Euro und 10.000 Euro mehr kosten.

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  • BMW 1er Leasing inkl. Versicherung kostet 274,- EUR Monat inkl. UStr (Sonderzahlung etc. eingerechnet, geworben wird mit 199,-).
    Ich hab schon mal mehr Versicherung an sich bezahlt für ein Fahrzeug.

    Mal ehrlich, kann das aufgehen? Fährt BMW hier nicht einen sehr heissen Reifen, was Restwert-Risiko etc angeht?
    Ich möchte nicht nur auf den Münchner herumhacken, das gilt natürlich auch für alle anderen Premiumhersteller.

    Diese ganze Leaserei und die Augenwischerei-Tageszulassungen zum Statistikverbiegen wird den Autobauern wie GM damals noch heftig auf die Finger fallen.

    Theorie: BMW, Siemens, Mercedes, VW (die ganzen grossen Konzerne) mit ihren Hausbanken können sich für 0,75% unbegrenzt bei der EZB finanzieren, von daher sind ihnen so altmodische Begriffe wie Rentabilität, Kapitalkosten etc. schon völlig egal geworden.

  • Widerlich und verantwortungslos, was der Knacker zum Euro sagt. Es zeigt, wer tatsächlich vom Euro profitiert: die Exporteure, die sich dumm und dämlich verdienen durch eine durch den deutschen Steuerzahlter subventionierte Währung.
    Der Knacker sollte sich an den deutschen Staatsbankrott oder die DM gewöhnen.
    Ich bin jahrelanger BMW-Fahrer. Einen BMW kaufe ich NIE wieder!

  • Ich sehe eher ein anderes, meist später aufkommendes Problem: die meisten Fahrzeuge werden geleast und die meisten Fahrzeuge werden nach 3/4 Jahren vom Mieter zurückgegeben. Meistens finanzieren sich die Käufer über BMW Financial Service mit für mich abenteuerlich niedrige Raten ihren " Traum-BMW"; nur um so ein Blechkleid auf Gummibereifung zu fahren. Meistens ist nach der Leasinglaufzeit nicht einmal der halbe ursprüngliche Verkaufspreis abgegolten. Bei einer derartigen Masse an Fahrzeugen ( die dann auf Halde stehen) ist es eine Frage der Zeit, wie sich die Weiterverkaufszahlen entwickeln. Und zwar nach unten. Entweder werden die Fahrzeuge unter Preis wieder auf die Strasse gestellt, oder das Kapital steht rum. Letztendlich wird der Autohersteller über seine Autobank unterm Strich wieder Geld verlieren.
    Man darf sich auch einmal fragen, wer diese ganzen produzierten Fahrzeuge überhaupt noch kaufen soll.

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