Trotz Gewinneinbruch
Neue Krebsmittel machen Astra-Zeneca interessant

Die britische Pharmafirma Astra-Zeneca leidet unter ablaufenden Patenten seiner Medikamente. Bei neuen Krebsmitteln macht die Firma hingegen Fortschritte – und sich selbst damit für andere Firmen interessant.
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LondonDer abgelaufene Patentschutz bei umsatzstarken älteren Medikamenten zehrt beim britischen Pharmariesen Astra-Zeneca heftig an den Gewinnen. Im ersten Quartal brach der Überschuss im Kerngeschäft um 16 Prozent auf 1,47 Milliarden Dollar ein, wie Großbritanniens zweitgrößter Arzneimittelhersteller nach Glaxo-Smithkline am Donnerstag mitteilte. Der Konzern steht aktuell im Zentrum von Übernahmegerüchten.

Der US-Pharmariese Pfizer soll einem Zeitungsbericht zufolge 100 Milliarden Dollar geboten haben. Astra-Zeneca-Chef Pascal Soriot hielt sich dazu allerdings bedeckt. Der Manager lenkte den Blick vielmehr auf die neuen Präparate des Konzerns, die Experten zufolge auch Pfizer angelockt haben könnten. Die Spekulationen haben die Aktie nun am heutigen Donnerstag auf ein Rekordhoch getrieben, trotz sinkender Einnahmen des Pharma-Produzenten.

Astra-Zeneca setzte von Januar bis März 6,42 Milliarden Dollar um und damit etwa gleich viel wie ein Jahr zuvor. Soriot zufolge schmälerten Patentverluste die Einnahmen um rund 150 Millionen Dollar. So machten dem Konzern Nachahmer für die Bluthochdruck-Arznei Toprol-XL in den USA und Kopien für den Cholesterinsenker Crestor in Australien zu schaffen. Konzernchef Soriot bekräftige die Geschäftsprognose für das laufende Jahr. Astra-Zeneca rechnet damit, dass der Konzernumsatz 2014 um einen kleinen bis mittleren einstelligen Prozentsatz schrumpft. Beim Gewinn je Aktie wird ein Rückgang um mehr als zehn Prozent erwartet. Im ersten Quartal war je Aktie der Gewinn um 17 Prozent auf 1,17 Dollar eingebrochen.

Astra-Zeneca leidet darunter, dass Patente wichtiger Arzneien genau dann auslaufen, wenn so mancher Rivale bereits das Schlimmste hinter sich hat. So endet in diesem Jahr in den USA auch der Patentschutz für das umsatzstarke Anti-Sodbrennen-Mittel Nexium. Konzernchef Soriot hat daher die Arzneiforschung im Konzern stark forciert. „Wir investieren in unsere schnell vorankommende Pipeline und in die Schlüsselplattformen, die das Rückgrat unserer Strategie sind, zu Wachstum zurückzukehren“, sagte der Konzernlenker. Vier Medikamenten-Projekte kommen jetzt in die zulassungsrelevante Phase III der klinischen Entwicklung - zwei Krebsarznei-Projekte und zwei Projekte im Feld Atemwegserkrankungen. Dazu gehört auch die vielbeachtete Substanz MEDI4736 für die Immuntherapie von Krebs - einer der vielversprechendsten neuen Ansätze in der Krebsmedizin.

Bei der Immuntherapie von Tumoren soll durch Medikamente das körpereigene Abwehrsystem angeregt werden, Krebszellen zu zerstören. Branchenschätzungen zufolge könnte dieser Ansatz künftig bei mehr als der Hälfte aller Tumorpatienten eine Rolle spielen. Neben Astra-Zeneca sind auch der Schweizer Pharmariese Roche sowie die beiden US-Konzerne Bristol-Myers Squibb und Merck & Co auf diesem Gebiet aktiv. Der US-Pharmariese Pfizer ist bislang noch nicht in der Immun-Onkologie präsent - für Analysten einer der Gründe, weshalb Astra-Zeneca ins Visier der Amerikaner geraten sein könnte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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