Trotz Katastrophe
Nissan verdient mehr

Der zweitgrößte japanische Autobauer hat seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal trotz des schweren Erdbebens gesteigert. Doch für die Zukunft gibt sich Nissan zurückhaltend.
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YokohamaDer zweitgrößte japanische Autobauer Nissan hat das Jahrhundertbeben im März besser weggesteckt als sein größerer Lokalrivale Toyota. Dabei kam dem Konzern sein Bündnis mit Renault und seine geringere Abhängigkeit von der Produktion in der Heimat zugute. Nissan konnte seinen Betriebsgewinn im vierten Geschäftsquartal bis Ende März nach Angaben vom Donnerstag um 7,2 Prozent auf umgerechnet rund 760 Millionen Euro (88,6 Milliarden Yen) steigern. Bei Toyota war das operative Ergebnis dagegen in den drei Monaten binnen Jahresfrist um mehr als die Hälfte auf 396 Millionen Euro eingebrochen. Auch das Hochfahren der Produktion auf Vorbebenniveau peilt Nissan deutlich früher als der Konkurrent an: Während Toyota damit weiter erst für Ende 2011 rechnet, geht der Micra-Hersteller von Oktober aus.

Mit seinem Ergebnis übertraf Nissan die Erwartungen von Analysten, die ihre Prognosen nach den Erdstößen und dem verheerenden Tsunami am 11. März heruntergeschraubt hatten. Netto schrieb der Konzern ein Plus von rund 265 Millionen Euro, nachdem vor einem Jahr noch ein Verlust von knapp 100 Millionen Euro in den Büchern stand. Mit seinem Ausblick hielt sich Nissan allerdings ebenso zurück wie Toyota und der kleinere Rivale Honda. Wegen der Unsicherheiten bei der Erholung von der Krise, vor allem der durch die Naturkatastrophe schwer gestörten Zulieferer-Kette, sei eine Prognose für das neue Geschäftsjahr 2011/2012 noch nicht möglich. Sie solle aber noch vor der Hauptversammlung folgen, zu der die Aktionäre gewöhnlich Ende Juni zusammenkommen.

„Die Situation in unseren eigenen Werken in Japan hat sich stabilisiert, bei den Zulieferern stellt sich die Lage noch etwas anders dar“, sagte Konzern-Chef Carlos Ghosn, der in Personalunion auch die Geschicke bei dem französischen Partner Renault steuert. Auch die Stromversorgung wegen der erheblichen Beben- und Tsunami-Schäden sei weiter ein Problem.

Ghosn befürchtet deswegen auch, dass Nissan trotz schwungvoller Geschäfte zu Jahresanfang gegenüber seinen ausländischen Konkurrenten ins Hintertreffen geraten wird. „Wenn wir keine Autos haben, führt kein Weg an dem Verlust von Marktanteilen vorbei“, sagte er. „Die Leute brauchen Autos und werden damit nicht sechs Monate warten.“ Im Oktober sollten die Bänder aber wieder normal laufen. Probleme bei den Zulieferern dürften dann kein Thema mehr sein. An seinem Produktionsziel in Japan von einer Million Autos hielt Ghosn fest und kündigte optimistisch trotz des Bebens ein Absatzwachstum für 2011 an.

Wie Toyota bekräftigte auch Nissan, einen Teil der Produktion trotz ungünstiger Bedingungen wie dem starken Yen, hoher Arbeitskosten und dem schrumpfenden Heimatmarkt in Japan zu belassen. Zugleich suche das Unternehmen nach Möglichkeiten für eine weitere Verlagerung der Fertigung ins Ausland. Dank des Vorstoßes in schnell wachsende Schwellenländer wie China, Indien und Russland war Nissan zuletzt auf einem steten Wachstumskurs. Auch mit seinem E-Auto Leaf konnte sich das Unternehmen profilieren.

Branchenexperten hoben vor allem den Ausbau des globalen Netzwerks bei der Produktion und der Belieferung mit Bauteilen hervor. „Renaults Beteiligung an der Nissan-Führung hat es dem japanischen Autobauer ermöglicht, sich offener und globaler aufzustellen als seine heimischen Rivalen“, sagte Analyst Park Sang Won von Eugene Investment. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider, der sich nach dem Beben bei Nissan deutlich besser gehalten hat als bei Toyota und Honda.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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