Trotz mangelnder Innovationsfreundlichkeit
Pharmabranche investiert kräftig

Die Pharmabranche hat ihre Investitionen in Deutschland im vergangenen Jahr unerwartet kräftig gesteigert und dürfte ihre Ausgaben für neue Anlagen auch im laufenden Jahr auf relativ hohem Niveau halten. Trotzdem könnte Deutschland nach Ansicht der Hersteller innovationsfreundlicher werden.

FRANKFURT. Nach Berechnung des VFA, in dem fast alle großen deutschen Hersteller sowie die hiesigen Töchter der wichtigen Auslandskonzerne vertreten sind, stiegen die Investitionen der Mitgliedsfirmen 2006 um knapp ein Fünftel auf den Rekordwert von 1,5 Mrd. Euro. Größter Einzelinvestor mit Ausgaben von gut 420 Mill. Euro ist der Baseler Roche-Konzern. Er will auch 2007 mindestens in dieser Größenordnung investieren, ebenso wie Boehringer und Sanofi-Aventis, die beiden anderen wichtigen Investoren.

Gegenüber der Situation zu Jahresbeginn, als Sanofi sämtliche Projekte auf Eis gelegt hatte, hat sich der Ausblick damit wieder verbessert. Hintergrund ist die Tatsache, dass in die Gesundheitsreform Regelungen aufgenommen wurden, die aus Sicht des Konzerns als weniger bedrohlich empfunden werden als der ursprüngliche Gesetzentwurf. „Solange unsere Innovationsbasis nicht attackiert wird, haben wir keinen Grund, nicht weiter in Deutschland zu investieren“, sagte dazu Vorstandsmitglied Heinz-Werner Meier.

Viele andere ausländische Pharmakonzerne betrachten Deutschland nach Einschätzung des VFA indessen nach wie vor als ungünstigen Standort. „Die, die hier sind, bauen weiter auf, vor allem in der Biotechnologie. Aber es kommen keine neuen Investoren hinzu“, beschreibt VFA-Geschäftsführerin Cornelia Yzer eine Strukturschwäche der Branche.

Neben einer schwachen Marktentwicklung und der Unsicherheiten auf Grund einer Vielzahl an Gesundheitsreformen spielen dabei auch andere Faktoren, etwa die Steuerpolitik, ein Rolle. „Der Kampf um Ressourcen für den Standort Deutschland wird für uns immer schwerer“, warnt Andreas Krebs, Deutschland-Geschäftsführer des US-Konzerns Wyet.

Hersteller mit bereits bestehender Produktion befinden sich in einer anderen Ausgangssituation, weil sie bereits über eine starke Infrastruktur verfügen. „Vor allem haben wir hier hoch qualifizierte und loyale Mitarbeiter“, sagt Alessandro Banchi, der Chef der Boehringer-Gruppe, die 2007 abermals mehr als 300 Mill. Euro in Deutschland investieren will. „Aber wenn es um ganz neue Projekte geht, müssen auch wir sehr genau über den richtigen Standort nachdenken.“

Im internationalen Vergleich ergibt sich ein differenziertes Bild. Zwar sind die Pharmainvestitionen in Deutschland seit Anfang des Jahrzehnts überdurchschnittlich stark gewachsen. Gemessen am Umsatz der Branche liegen sie aber noch immer unter der branchentypischen Investitionsquote von derzeit gut fünf Prozent.

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