Trotz Neugründung
Parmalat droht Sammelklage in den USA

Der Bilanzskandal belastet den Neustart des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat noch immer. Schon bald könnte das Unternehmen vom Kläger zum Beklagten werden. Ein US-Gericht hat entschieden, dass die geprellten Anleger mit einer Sammelklage nicht nur gegen Banken, Rating-Agenturen und das alte Management klagen können, sondern auch gegen die neue Aktiengesellschaft selbst.

MAILAND. Parmalat steht für den größten Bilanzskandal Europas. Der Milchkoloss war Ende 2003 unter einer Schuldenlast von 14 Milliarden Euro zusammengebrochen, als das weitverzweigte Netz von Luftbuchungen zutage kam und das wahre Ausmaß der Verschuldung offensichtlich wurde. Später übernahm der Insolvenzverwalter Enrico Bondi das Ruder, der auch noch heute als Vorstandsvorsitzender die neue Parmalat-Aktiengesellschaft führt, die aus den Resten des zusammengebrochenen Originals hervorgegangen und vor zwei Jahren auch an die Börse zurückgekehrt ist.

Bondis Strategie baut zum einen darauf, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und zum anderen, die Entschädigungsklagen gegen die in den Skandal verwickelten Banken und Wirtschaftsprüfer fortzuführen. Den Banken wirft er vor, schon früh das Ausmaß der Krise gekannt und dennoch weitere Anleihen begeben zu haben. Bondi fordert insgesamt zehn Mrd. Euro. Mit verschiedenen Banken hat sich Bondi bereits außergerichtlich auf die Zahlung von insgesamt 770 Mill. Euro geeinigt.

Die geprellten Investoren von Parmalat-Anleihen wurden dagegen entschädigt, indem ihre Obligationen in Aktien der neuen Parmalat umgewandelt wurden. Da sich der Kurs seit dem Börsengang gut entwickelt hat, haben die Anleger damit rund die Hälfte ihres Kapitals zurückgewonnen. Investoren dagegen, die Aktien der alten Parmalat hatten, gingen völlig leer aus.

Eigentlich sollte mit der Neugründung des Unternehmens die Vergangenheit abgeschlossen sein und Bondi sah sich eher in der Rolle des Opfers, das Ansprüche an die Voreigentümer und Manager stellen konnte. Umso ironischer ist nun die Entscheidung aus New York, dass die Anleger nun auch den Rächer der Geprellten, Bondi, zur Verantwortung ziehen können. Der Richter Lewis Kaplan hält eine Sammelklage für zulässig, weil die neue Gesellschaft außer den Fabriken und Marken auch die Verantwortung für die Vergehen der Ex-Manager übernommen habe.

Parmalat bemüht sich darum, die Gemüter zu beschwichtigen: Die Entscheidung widerspreche dem Abkommen, das die Anleihe-Besitzer zu Aktionären gemacht hat, und den Entscheidungen der italienischen Richter, lässt das Unternehmen wissen und stellt klar: „Auf jeden Fall muss die Entscheidung von italienischen Gerichten ausgeführt werden.“ Im italienischen Rechtssystem gibt es keine mit den USA vergleichbaren Sammelklagen. Die neue Parmalat geht gegen die Entscheidung in Berufung.

Rob Mann, ein Analyst von Collins Stewart in London, schreibt gegenüber seinen Kunden von „unnötiger Panik“ angesichts der zwischenzeitlichen Kursverluste von bis zu neun Prozent. Die Sorgen wegen einer milliardenschweren Sammelklage in den USA seien „übertrieben“, schreibt er und rät weiterhin zum Kauf der Aktie.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%