Trotz Personalquerelen
Evonik bleibt auf Börsenkurs

Der Evonik-Mehrheitseigner RAG will bis Mai die Weichen zu einem Börsengang des Chemiekonzerns stellen. Derweil dauert die Hängepartie um den künftigen Chef des Stiftungs-Kuratoriums der RAG an.
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Düsseldorf/BerlinDer Mehrheitseigner des Börsenkandidaten Evonik will Kreisen zufolge einen milliardenschweren Börsengang des Chemieriesen vorantreiben. Am 23. Mai solle das Kuratorium der RAG-Stiftung nach derzeitiger Planung die endgültige Entscheidung über einen der größten deutschen Börsengänge der vergangenen Jahre fällen, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen Reuters. Die Vorbereitungen würden vorangetrieben, obwohl sich in der seit Monaten umstrittenen Frage des künftigen Chefs des mächtigen Stiftungskuratoriums weiterhin keine Lösung abzeichne. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der sich persönlich in die Chefsuche eingeschaltet hatte, habe bislang keinen neuen, mehrheitsfähigen Kandidaten präsentiert, hieß es weiter. Eine Sprecherin der Stiftung wollte sich nicht äußern.

Die RAG-Stiftung soll die Folgekosten des 2018 auslaufenden subventionierten Steinkohleabbaus in Deutschland tragen. Die dazu ab 2019 nötigen Milliarden-Summen soll der Chemieriese Evonik erbringen, an dem die Stiftung knapp 75 Prozent hält. Einen ersten Schritt auf diesem Weg hat die Stiftung bereits getan: Vor vier Jahren verkaufte sie einen Anteil von knapp über 25 Prozent für 2,4 Milliarden Euro an den Finanzinvestor CVC.

Chef der Stiftung ist seit Juni 2007 der frühere Veba-Manager Wilhelm Bonse-Geuking, dessen Vertrag Ende Juni ausläuft. Kontrolliert wird sie vom Kuratorium, das auch Personalentscheidungen fällt. Ihm gehören unter anderem die Ministerpräsidentinnen der Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Saarland, der Bundesfinanzminister, der Bundeswirtschaftsminister und der Chef der Gewerkschaft IG BCE an.

Am Freitag kommt die illustere Runde gegen Mittag in Berlin zusammen, um erneut über den Evonik-Börsengang und die Nachfolge Bonse-Geukings zu beraten. Beschlüsse, heißt es unter anderem im Umfeld der Stiftung, seien bei den Plänen für den Verkauf von Evonik-Aktien zu erwarten: Die Vorbereitungen für den Börsengang, die wegen der Finanzkrise unterbrochen worden waren, sollen wieder aufgenommen werden, die dafür nötigen Gelder sollen die Kuratoren bewilligen. Denn die Vorbereitungen kosten: Deutsche Bank und Goldman Sachs sollen Evonik beim Weg auf das Börsenparkett begleiten. Für den 23. Mai steht dann eine weitere Sitzung auf dem jüngsten Terminplan: Dann soll beurteilt werden, ob ein Börsengang die erwarteten Mittel in die Kassen der Stiftung spülen wird. Sie hatte die Untergrenze des Gesamtwerts von Evonik den Kreisen zufolge bei 15 Milliarden Euro angesetzt.

Bei der Sitzung im Mai solle dann das Ergebnis der Vorarbeiten bewertet und entschieden werden, ob Evonik endgültig grünes Licht für einen Gang aufs Parkett erhalten werde, hieß es weiter. Der Chemieriese ist mit steigenden Gewinnen für den Börsengang gerüstet: Berechnungen des Börsenwerts durch Investoren leiten sich in der Regel vom operativen Ertrag Ebitda ab. Hier wies Evonik 2011 ein Plus von 17 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro aus. Beim Branchenprimus BASF liegt der Marktwert etwa beim 5,5-Fachen des operativen Gewinns. Evonik wäre schon demnach weit über zehn Milliarden Euro wert. Geben die Kuratoren im Mai tatsächlich endgültig grünes Licht, könnte ein Börsengang binnen sechs Wochen erfolgen, hieß es.

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