Trotz Sparkurs
Daimler investiert eine Milliarde in Sindelfingen

Gewinnrückgänge, Probleme mit der Profitabilität und zu teure Standorte: Daimler muss sparen. Nun investiert der Autobauer aber eine Milliarde Euro in sein größtes Pkw-Werk - und will seine Sparziele trotzdem einhalten.
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StuttgartTrotz seines Sparkurses in der schwächelnden Autosparte will Daimler allein in diesem Jahr eine Milliarde Euro in sein größtes Pkw-Werk in Sindelfingen investieren. Darin enthalten seien bereits die Kosten für die neue Generation der S-Klasse. „Hier ist unser Kompetenzzentrum der Ober- und Luxusklasse“, sagte Konzernchef Dieter Zetsche am Mittwoch zum Produktionsstart der überarbeiteten S-Klasse. „Das soll auch so bleiben - auch wenn die Lage der Automobilindustrie in Europa nach wie vor schwierig ist.“

Daimler macht - wie anderen Autobauern auch - die Absatzkrise in Europa zu schaffen. Allerdings sei die Talsohle dort mittlerweile erreicht, sagte der Konzernchef. Weiteren Aufwind erwarte er daher in der zweiten Jahreshälfte.

Auf bei ihrem Sparprogramm sehen sich die Schwaben auf Kurs: Sie wollen in ihrer wichtigen Pkw-Sparte bis Ende nächsten Jahres rund zwei Milliarden Euro sparen. Ursprünglich sollten rund 60 Prozent davon bereits im laufenden Jahr zu Buche schlagen. Voraussichtlich werde das Ziel aber übertroffen, kündigte Zetsche an.

Medienberichten zufolge sollen die deutschen Werke, darunter vor allem Sindelfingen, allerdings deutlich zu teuer sein. „Die Zielsetzung muss sein, die Effizienz in Summe voranzubringen“, entgegnete der Konzernchef. Mit Investitionen solle die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte gesichert werden.

Daimler wird ihm zufolge auch seine schwächelnde Profitabilität im zweiten Quartal dieses Jahres wieder steigern. „Was die Rendite angeht, werden wir zunächst einmal sehen, dass die Entwicklung im zweiten Quartal eine Positive sein wird“, kündigte Zetsche an, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Zum Jahresstart hatte das Verhältnis von operativem Ergebnis zum Umsatz in der wichtigen Autosparte lediglich bei 3,3 Prozent gelegen. Zum Vergleich: Die Oberklasse-Rivalen Audi und BMW kamen auf 11,1 beziehungsweise 9,9 Prozent. Daimlers Renditeziel von 10 Prozent hatte Zetsche zuletzt auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch am Mittwoch ließ er dafür einen konkreten Zeitpunkt weiter offen.

Um seine Profitabilität zu steigern, fährt Daimler einen harten Sparkurs, von dem alle Bereiche des Unternehmens betroffen sind. Jüngst war der Konzern in die Kritik geraten, weil er nach Recherchen des SWR über Werkverträge an seinen Fließbändern Menschen beschäftigen soll, die ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken müssen. Zetsche wies die Darstellung am Mittwoch erneut zurück.

Der Betriebsrat des Autobauers kritisiert aber, bei Werkverträgen zu wenig Einblick und Mitspracherecht zu haben. „Wir arbeiten nicht gegen den Betriebsrat und der Betriebsrat arbeitet nicht gegen uns“, betonte Produktionschef Andreas Renschler. „Dass es da ab und zu mal unterschiedliche Meinungen gibt, ja Gott, das ist ganz normal.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Zetsches Zickzackkurs zeigt doch nur etwas ganz profanes: zwischen Aktionären und Wettbewerbern eingeklemmt, muß er es allen recht machen.

    Da sind BMW und VW mit Ankeraktionären, die den Vorstand bzw die Unternehmensstrategie langfristig unterstützen, eine ganze andere Nummer.

    Eine zu viel zu große Nummer für Daimler. Der kippt mittel-bis langfristig hintenrunter.

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