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Trotz Sparzwang: Märklin wird für Berater zur Goldgrube

exklusiv Der schwäbische Modelleisenbahnbauer Märklin wird kurz vor seinem 150-jährigen Jubiläum von einer schweren Managementkrise erschüttert. Führungskräfte aus nahezu allen Bereichen des Unternehmens – Entwicklung, Personal, Vertrieb und Finanzen – haben das Unternehmen verlassen oder angekündigt, dies zu tun. Und während bei der Belegschaft eisern gespart wird, streichen Berater Millionenhonorare ein.

Ein altes Werbeplakat für das Traditionsunternehmen Märklin. Foto: PR
Ein altes Werbeplakat für das Traditionsunternehmen Märklin. Foto: PR

DÜSSELDORF. Die Finanzchefin wird vor die Tür gesetzt, der Entwicklungschef muss die Dienstwagenschlüssel abgeben, der langjährige Vertriebschef kündigt. Eigentlich will Märklin im kommenden Jahr Geburtstag feiern – den 150. Nun gehen langsam die Ehrengäste aus: In der Führungsetage des Mini-Lok-Herstellers herrscht ein Durchgangsverkehr wie auf einem Hauptbahnhof.

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Die Ruhe am Firmensitz in Göppingen ist dahin – schon wieder. Gegründet 1859, stieg Märklin zum größten Modellbahnbauer der Welt auf. Doch ungeschickte Preispolitik und zerstrittene Familienerben brachten die Firma vor zwei Jahren an den Rand der Insolvenz. In letzter Sekunde kaufte der britische Finanzinvestor Kingsbridge Märklin. Die Mitarbeiter begrüßten ihn mit Straßendemonstrationen als Retter.

Nun merken sie: Der neue Eigner scheint alles daranzusetzen, Märklin für einen Weiterverkauf aufzuhübschen. Bei der Belegschaft wird extrem gespart. Unternehmensberater dagegen streichen üppigste Honorare ein. Goldgrube Göppingen.

Die neue Führung putzt Märklin heraus, so gut es geht. Fassaden wurden neu gestrichen, der Parkplatz frisch geteert. Und Firmenchef Axel Dietz verbreitet fleißig Erfolgsmeldungen. Märklin sei auf bestem Weg, heißt es. Umsatz wächst, Aufträge steigen. Klingt gut.

Über anderes möchte man bei Märklin nicht reden. Von Qualitätsmängeln etwa. Oder Finanzierungslücken. Wer so etwas sagt, fliegt raus.

Das jüngste Opfer: Ute Klapdor. Die Bereichsleiterin Finanzen und Controlling kommt im August 2007 zu Märklin. Bald darauf warnt sie die Geschäftsführung: Märklin mangelt es an einer zentralen Übersicht, wann Geld hereinkommt und wann es abfließt. Das Problem ist erkannt, behoben wird es nicht. Ende März 2008 warnt Klapdor, es drohe eine Liquiditätsklemme. Anfang April muss sie Märklin verlassen.

Eine Woche später gibt die Firma bekannt, dass der Finanzinvestor Kingsbridge Märklin erneut einen Millionenbetrag zur Verfügung stellt. Nach Informationen aus dem Unternehmen hätte sonst die Liquiditätslücke bereits im Juni bei über fünf Millionen Euro gelegen.

Ein Märklin-Sprecher bestreitet einen Zusammenhang zwischen der Finanzspritze und der Trennung von Klapdor. Grund für deren Abgang seien Beschwerden von Mitarbeitern gewesen, die über den Betriebsrat an die Geschäftsführung herangetragen wurden. Seltsam. Der Betriebsrat sagt, ihm sei von solchen Beschwerden nichts bekannt.

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