Trübe Konjunktur

Siemens fürchtet um seine Prognose

Die nachlassende Konjunktur trifft Siemens mit voller Wucht. Der Quartalsgewinn blieb hinter den Erwartungen zurück. Nun will der Konzern die schwache Tochter Osram an die Aktionäre abgeben - Siemens ist das Problem los.
Update: 26.07.2012 - 11:45 Uhr 8 Kommentare
Helme im Siemens Gasturbinenwerk in Berlin: schwierige Phase. Quelle: dapd

Helme im Siemens Gasturbinenwerk in Berlin: schwierige Phase.

(Foto: dapd)

MünchenDie aufziehende Konjunkturkrise verdüstert die Perspektiven von Siemens. Im abgelaufenen dritten Quartal kletterte der Umsatz des Münchener Technologieriesen zwar binnen Jahresfrist nochmals um ein Zehntel auf 19,5 Milliarden Euro. Der Auftragseingang brach allerdings um ein Viertel auf 17,8 Milliarden Euro ein, weit weniger als von Analysten erwartet.

Siemens-Chef Peter Löscher zweifelt daran, dass sein Haus wie geplant im fortgeführtem Geschäft einen Jahresgewinn von 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro einfahren kann. "Wir spüren eine zunehmende Investitionszurückhaltung bei unseren Kunden und einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind, vor allem in den industriellen kurzzyklischen Geschäften", erklärte Löscher am Donnerstag. "Angesichts des verschlechterten Umfelds ist es schwieriger geworden, unsere Prognose für das Geschäftsjahr zu erreichen."

Siemens-Chef Peter Löscher macht seine Belegschaft angesichts der schlechten Auftragslage auf Einschnitte gefasst. "Unsere Strategie für profitables Wachstum Richtung 100 Milliarden Euro steht", sagte der Manager am Donnerstag. "In der Umsetzung unterlegen wir sie mit einem Programm, das den Fokus auf die Verbesserung von Kosten, Produktivität, Effizienz und Prozesse legt." Die Schritte würden auf dem Treffen der globalen Führungskräfte erläutert, die sich traditionell im Oktober versammeln.

Den von 2011 bereits auf das Jahr 2012 verschobenen Plan für einen Börsengang von Osram gab Siemens jetzt auf. Löscher verwies auf die schwachen Börsen. Stattdessen will Siemens die Osram-Aktien nächstes Jahr als Teil der Dividende an die Siemens-Aktionäre ausgeben. Die können sie dann behalten oder selbst nach Belieben an der Börse verkaufen - Siemens ist das Problem los.

„Für Osram setzen wir nun klar auf einen Spin-Off, nachdem ein klassischer Börsengang aufgrund der anhaltend schwierigen Situation an den Kapitalmärkten in den nächsten Monaten nicht wahrscheinlich ist“, sagte Löscher. Finanzchef Joe Kaeser erklärte den Zeitplan: Im kommenden Januar werde der Vorstand „der Hauptversammlung vorschlagen, den Spin-Off zu genehmigen, und dann werden wir im Frühjahr 2013 diesen Börsengang vollziehen“.

Löscher: "Aus der Krise gestärkt hervorgehen"

Osram hat im vergangenen Jahr mit 40.000 Mitarbeitern rund fünf Milliarden Euro Umsatz und 400 Millionen Euro Betriebsgewinn gemacht. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen noch knapp 10.000 Mitarbeiter, ist aber dabei, bis zum Jahr 2014 rund 1000 Stellen zu streichen.

Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz nur aufgrund der Euroschwäche. Wegen der Planänderung beim Börsengang musste Osram Abschreibungen nachbuchen und rutschte deshalb in die roten Zahlen: 351 Millionen Euro Verlust standen unter dem Strich, nach 56 Millionen Euro Gewinn im Vorjahresquartal.

Sorgenkind Osram leidet unter dem Umbruch
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8 Kommentare zu "Trübe Konjunktur: Siemens fürchtet um seine Jahresprognose"

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  • Woher kommen diese Zahlen. Sicher nicht aus Europa.

  • Sagt ein Konkurrent .........

  • Siemens hat schon immer auf Subventionen und geschäften durch politische Beziehungen gebaut. Überall bei SIEMENS sitzen Ex-Politiker die das sicher stellen sollen.
    Und Siemens ist eben in Bereichen aktiv in denen man eigentlich Schmiergelder bezahlen muss um ins geschäft zu kommen. Wie das jetzt bewerkstelligt wird ist mir aber nicht bekannt.

  • Die Subventionen werden nie aufhoren, weil dass die Schmiergeldquelle für Politiker und Beamte ist. Warum sollte jemand Schmiergeld bezahlen, wenn er nix dafür bekommt ?

  • Diese Öko-Blase wird platzen, spätestens wenn aus Brüssel die Anweisung kommt, mit dem Blödsinn aufzuhören, weil's Geld anderswo gebraucht wird.

    Aber zu Siemens:
    Die brauchen also rund 20 Milliarden Quartalsumsatz, um 1 Milliarde Gewinn zu erzielen. Das ist für heut' ein kärglich Häuflein, um mal Alberich zu zitieren.

    Zum Vergleich: der französische? Ölförderausrüster Schlumberger erzielt im gleichen Quartal bei rund 10 Milliarden Umsatz einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro. Und diee Spanne halte ich durchaus für angemessen.

  • Bei Mitbewerber GE läuft es glänzend, vor allem im Industriegeschäft. Irgendwas läuft bei Siemens falsch, sonst wären die Aussichten besser. Siemens ist immer noch in vielen Bereichen zu schwerfällig. Dazu kommt die Öko-Blase, die schnell zerplatzen kann. Die Entwicklung des Aktienkurses der letzten Monate spricht Bände.

  • Der Löscher musste ja auch unbedingt den Öko-Hype volle Kanne mitmachen. Sehenden Auges auf endlose Subventionen gebaut.

  • Im Energiesektor hat Siemens mit schlechten Geschäften mit Wind- und Solaranlagen zu kämpfen.
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    Das dürfte eines der Hauptprobleme sein !
    In Erneuerbare Energie wurden Erwartungen gesteckt, die jedem Objektiven Analytiker die Sorgenfalten auf die Stirn trieben !
    Siemens ist ein Global Player , sie sollten ihre Produkte und Dienstleistungen nicht auf saisonalen und nationalen "Modeerscheinungen " aufbauen .
    Der Ausstieg aus dem nicht konventionellen Kraftwerksbau ist maßgeblich an den nun zu messenden Auftragsrückgang zurückzuführen !

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