Tschechische Tochter Transgas bekommt Konkurrenz
Ostsee-Pipeline setzt RWE unter Druck

Die geplante Pipeline von Russland durch die Ostsee nach Deutschland bedroht die Strategie von RWE in Osteuropa. Der Konzern betreibt mit seiner tschechischen Tochter Transgas eine der Haupttransitrouten für russische Gaslieferungen und rechnet sich durch den steigenen Verbrauch in Westeuropa zusätzliche Wachstumschancen aus.

PRAG. Die Ostseepipeline, die der russische Gazprom-Konzern mit Eon und BASF bauen will, würde aber die Konkurrenz um Transportaufträge erhöhen. „Tschechien ist von zentraler logistischer Bedeutung als Transitland für die Weiterleitung von Gas nach Westeuropa“, betonte Berthold Bonekamp, der Chef der Vertriebssparte RWE Energy, in Prag vor Journalisten. Transgas spiele eine zentrale Rolle im Transitgeschäft. Deren Marktposition solle abgesichert und ausgebaut werden. Sein Unternehmen wolle die Verbindungen zu den Netzen und Drehscheiben in Westeuropa deshalb sinnvoll weiter entwickeln.

Über das Leitungsnetz der Transgas laufen derzeit rund 30 Prozent der russischen Gasexporte nach Europa. Es ist an eine große Pipeline durch die Ukraine angebunden und neben einer Route durch Polen die wichtigste Verbindung der russischen Gasproduzenten mit den europäischen Abnehmern. Transgas befördert pro Jahr rund 50 Mrd. Kubikmeter russisches Gas, knapp ein Viertel davon liefert das Unternehmen an Kunden in Tschechien, der Rest fließt über zwei Punkte an der Grenze nach Deutschland.

Gazprom, Eon und BASF wollen aber eine neue Trasse eröffnen. Vor wenigen Wochen haben sie den Bau der Nordeuropäischen Gasleitung vereinbart. Sie soll ab 2010 eine direkte Verbindung von Westsibirien durch die Ostsee nach Deutschland bieten und die Transitländer wie Ukraine und Polen umgehen. Wiederholt hatte sich Gazprom mit den Staaten über die Bedingungen für den Transit und die Höhe der dafür nötigen Gebühren gestritten. Mit einer maximalen Kapazität von 55 Mrd. Kubikmetern pro Jahr könnte sie die selbe Menge bewältigen wie die Transgas-Röhren.

Ob RWE durch die neue Konkurrenz Probleme für Transgas und die Osteuropastrategie des Konzerns erwartet, wollte Bonekamp nicht sagen. Das Risiko ist aber hoch. Die Transgas, die RWE vor vier Jahren für 4,1 Mrd. Euro erworben hat, ist bisher das mit Abstand teuerste Investment des Konzerns in Osteuropa. Bei einem Umsatz von 1,7 Mrd. Euro hat es im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 215 Mill. Euro verbucht – einen Großteil davon mit dem Transitgeschäft. „Bislang hat der Zukauf seine Erwartungen erfüllt und hat gute Wachstumschancen“, sagt Analyst Marc Koebernick von der WestLB.

In der Ostseepipeline sehen die Branchenexperten aber durchaus eine Gefahr: „Natürlich ist das für RWE nicht gut, wenn es eine Alternativroute gibt“, sagt Theo Kitz von Merck Finck. „Transgas hat zwar noch Verträge mit Gazprom“, sagt Matthias Heck von Sal. Oppenheim, „mittel- bis langfristig könnte das Unternehmen aber Druck auf Transportvolumen und Margen spüren.“ Das hänge in erster Linie davon ab, wie sich der Gasverbrauch in Europa und damit der Bedarf an Transportkapazitäten entwickelt.

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