TTI-Chef Horst Pudwill
Ein deutscher Unternehmer in Hongkong

Seit 36 Jahren lebt Horst Pudwill in Hongkong und ist der erfolgreichste deutsche Industrielle der südchinesischen Metropole. Wenn er seine Firma TTI demnächst an seinen Nachfolger übergibt, soll der Hersteller von Elektrowerkzeugen weltweit ganz oben stehen.

HONGKONG. Wenn Horst Pudwill über die breiten Beton-Hochstraßen von Hongkong fährt, teilt er aller Welt seine Ambitionen mit. „HP 1“ steht auf dem gelben Nummernschild des dunklen Mercedes 600. Und der 62-jährige Wahl-Hongkonger peilt auch für sein Lebenswerk Platz 1 an. Wenn er seine Firma TTI demnächst an seinen Nachfolger übergibt, soll der Hersteller von Elektrowerkzeugen weltweit ganz oben stehen.

Pudwill, in Verden an der Aller geboren, lebt seit 36 Jahren in der südchinesischen Metropole und ist der erfolgreichste deutsche Industrielle Hongkongs. Der Ingenieur war Ende der sechziger Jahre VW-Verkäufer in Afrika, wurde dann als General Manager in die damals britische Kolonie geschickt. Als er in den Siebzigern zurück nach Europa sollte, wollte der Manager den asiatisch-britischen Lebensstil in der Stadt der Millionäre nicht mehr missen. Er blieb und machte sich 1975 selbstständig. „Meine erste Firma habe ich mit meinem ganzen Ersparten gegründet“, sagt der inzwischen gediegene Herr mit den silberigen Schläfen.

Der Autoteile- und Batteriefirma folgten in schneller Folge etliche Unternehmen, 1985 kam TTI. Das mit dem chinesischen Partner Roy Chin Ping Chung gegründete Unternehmen baute aufladbare Batterien und expandierte so rasch, dass Pudwill ins nahe Billiglohnparadies China ging. „Wir waren die ersten Ausländer in China mit einer eigenen Fabrik“, erinnert sich der China-Pionier, der noch immer auf die Volksrepublik setzt. In Shenzen hat TTI ein großes Areal gekauft, wo die bislang über die Stadt verteilte Fertigung konzentriert werden soll.

Partner Roy sorgt dafür, dass auf der chinesischen Seite alles läuft. Er vertraue seinem Teilhaber blind, sagt Pudwill. „Nach 25 Jahren läuft das wie eine Ehe“, sagt der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Der Millionär, der an freien Tagen auf einer seiner zwei Jachten im südchinesischen Meer ausspannt, passt zu der Metropole mit dem Flair vom großen Geld und der weiten Welt.

Der freundliche Herr im Maßanzug ist allerdings ein knallharter Manager und gewiefter Kostendrücker. Als Nächstes werde er die TTI-Zulieferzahl auf 150 halbieren, sagt er mit knochentrockenem Niedersachsen-Akzent: „Das spart uns Millionen.“ Selbst seine aggressive Übernahmestrategie, mit der er heruntergewirtschaftete Topnamen billig aufkauft, klingt bei ihm ganz milde. „Sie müssen eben smart und schnell sein“, sagt er lächelnd, „und immer den Markt überraschen.“

Das gelingt dem TTI-Chef immer wieder. Sein Bohrmaschinen-Imperium hat seit 2001 den Umsatz vervierfacht. Bei der Wahl zum „Entrepreneur of the Year“ von Ernst & Young stach er die gesamte chinesische Konkurrenz aus und steht im Juni für Hongkong in Monte Carlo im weltweiten Finale.

Und als Nachfolger zauberte Pudwill einen Topmann der Branche aus dem Hut. Joseph Galli war zuvor bei Black & Decker. Bis der Anruf vom stillen Eroberer aus Hongkong kam.

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