TTI
Weltfabrik der Bohrmaschinen

Der so gut wie unbekannte chinesische Werkzeughersteller TTI ist inzwischen hinter den Branchenführern Black & Decker und Bosch zur Nummer drei weltweit aufgestiegen. Und das mit einer Strategie, die lange als unmöglich galt. Teil 18 der Handelsblatt-Serie über die Weltmarktführer von morgen.

HONGKONG. Eingerahmt von den sich spiegelnden Häuserschluchten, eröffnet sich von hier ein fast malerisches Bild. Eine Dschunke dümpelt im Wasser, die berühmte „Star“-Fähre zieht im Hongkonger Hafen ihre Bahn. Und weit draußen sind die Krakenarme des größten Containerhafens der Welt zu sehen.

Von seinem Büro im 18. Stock hat Horst Pudwill das Tor zur Welt stets vor Augen. Wenn das Geschäft richtig brummt, verschifft seine Firma Techtronic Industries (TTI) schon mal bis zu 100 Container am Tag. Voll gepackt mit Bohrmaschinen, Staubsaugern oder Stichsägen. Alles „made in China“.

Bisweilen kann Pudwill gar nicht genug liefern. Überall wollen Heimwerker und Hausfrauen seine Ware – in Washington, Berlin und Moskau. Dabei weiß der Kunde oft gar nicht, dass er TTI-Produkte kauft. Denn auf den Geräten der Firma kleben Schilder von weltbekannten Marken: AEG, Milwaukee, Hoover.

Der so gut wie unbekannte Hongkonger Hersteller TTI ist inzwischen hinter den Branchenführern Black & Decker (USA) und Bosch (D) zur Nummer drei weltweit aufgestiegen. „Und wir sind überzeugt, dass wir bald die Nummer eins sind“, sagt Pudwill seelenruhig hoch oben über dem Hafen von Hongkong.

Sein Angriff aus Fernost baut auf eine Strategie, die lange als unmöglich galt: die Kombination von Qualitätsmarken mit Billigfertigung. „Was Hongkong und China zusammen bieten, lässt sich nirgendwo auf der Welt kopieren“, sagt Pudwill: Niedriglöhne im Reich der Mitte, Verkauf im wohlhabenden Westen und Niedrigsteuern am internationalen Finanzplatz Hongkong.

TTI hat seine Produktionsstätten im Hinterland, dort, wo Chinas größte Werkbank steht – im weitläufigen Perlflussdelta. Hier müssen sich die Produzenten der Welt nicht mit den Errungenschaften westlicher Gewerkschaften wie Streikrecht, Freizeitausgleich und 35-Stunden-Woche plagen. „Die Lohnkosten liegen unter einem Euro pro Stunde“, rechnet ein TTI-Manager in der Fabrik von Shenzen vor. „In Europa zahlen wir im Schnitt 18 Euro.“ Und in China gibt es ein Heer billiger und williger Wanderarbeiter, die jeden Tag für die Welt im Akkord fertigen.

Die jungen Beschäftigten stehen bei TTI in langen Reihen am Fließband. Die Frauen tragen gelbe Kopftücher, die Männer gelbe Mützen mit den drei aufgedruckten Firmenbuchstaben. Jeder macht immer nur einen Handgriff. Zehn Stunden am Tag.

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