Türkische Koç drängt ins Ausland: Vom Krämerladen zum Weltkonzern

Türkische Koç drängt ins Ausland
Vom Krämerladen zum Weltkonzern

Den Namen Koç kennt jeder Türke. Ob im Supermarkt oder bei der Urlaubsbuchung, die Produkte und Dienstleistungen des Konzerns sind aus ihrem Leben nicht wegzudenken. Gründer Vehbi Koç baute den Krämerladen seines Vaters zum Imperium aus. Längst ist das Familienunternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt – und das liegt nicht nur an den niedrigen Löhnen.

ISTANBUL. Ortskenntnis ist nicht die Stärke der Istanbuler Taxifahrer, aber Koç – die Adresse kennen fast alle. So zielsicher wie die Blaue Moschee steuern sie die Firmenzentrale der größten türkischen Unternehmensgruppe über dem asiatischen Ufer des Bosporus an.

Den Namen Koç kennt jeder Türke. Die Produkte und Dienstleistungen des Konzerns sind aus ihrem Leben nicht wegzudenken. Der Tofas, den der Taxifahrer steuert, ist in einer Koç-Autofabrik vom Band gelaufen. Finanziert hat er den Wagen vielleicht mit einem Darlehen der Koç-Tochter Yapi Kredi Bank. Ob er Flüssiggas an einer Aygas-Zapfsäule tankt, Diesel oder Benzin an einer Opet-Tankstelle, ob er in einem der Migros-Supermärkte einkauft oder seinen Urlaub bei Setour bucht: Immer klingelt bei Koç die Kasse. Fernseher oder Kühlschrank, Waschmaschine oder Herd, Mixer oder Mikrowelle: In jedem türkischen Haushalt gebe es mindestens ein Gerät von Koç, rühmt sich das Unternehmen.

Die Hauptverwaltung der Holding ist besser gesichert als der Amtssitz des türkischen Ministerpräsidenten. Wer die Sicherheitsschleusen am Eingang des Firmengeländes passiert hat, betritt eine weitläufige Parklandschaft. Antike Säulen und Statuen zieren die gepflegten Rasenflächen. Große Bäume spenden Schatten. Sechs Gebäude im ottomanischen Stil liegen in dieser Hügellandschaft. Errichtet wurden sie Ende des 19. Jahrhunderts von Mehmet Serif Pascha, einem Mitglied der ottomanischen Dynastie. Die Familie Koç erwarb die verfallenen Bauten 1978 und ließ sie vollständig restaurieren. 1988 zog die Hauptverwaltung der Holding hier ein. Das Ambiente dieses Firmensitzes unterstreicht das Image der Koçs nicht nur als reichste, sondern auch als kultivierteste Unternehmerfamilie des Landes.

Vehbi Koç, der Gründer, der den Krämerladen seines Vaters zu diesem Imperium ausbaute, ist stets präsent. Überall in der Firmenzentrale begegnet man Büsten, Gemälden und Fotos des 1996 verstorbenen Patriarchen. „Wenn die Türkei wächst und gedeiht, dann wächst auch unsere Gruppe“, pflegte der alte Koç zu sagen. Inzwischen könnte man das auch umdrehen: Wenn Koç wächst, gedeiht auch die Türkei. Im vergangenen Jahr entsprach der Umsatz von Koç rund fünf Prozent des türkischen Bruttoinlandsprodukts, der Konzern erwirtschaftete zwölf Prozent der gesamten Exporterlöse und 15 Prozent der Gewinne im Privatsektor. Fünf der zehn größten Firmen des Landes gehören zum Koç-Portfolio. In 29 Produkt- und Dienstleistungsgruppen ist die Gruppe tätig, in 22 davon ist sie die Nummer eins auf dem heimischen Markt.

Seite 1:

Vom Krämerladen zum Weltkonzern

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%