Turbowachstum
China leidet unter Strom- und Dieselmangel

Zehn Prozent Wachstum plus strengere Umweltpolitik, dazu ein kalter Winter - da kommt Chinas Energieproduktion nicht mehr hinterher. Obwohl ständig neue Kraftwerke ans Netz gehen, müssen einige Provinzen Stromausfälle hinnehmen. Doch die findigen Menschen wissen sich zu helfen.
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HB PEKING. In Chinas kältesten Regionen drohen die Lichter und Heizungen auszugehen. "Acht Provinzen haben in der ersten Monatshälfte einen Rekordverbrauch an elektrischem Strom gemeldet", sagt Liu Zhenya, Chef des größten nationalen Energieversorgers State Grid Corp. of China. Es drohe Strommangel. Auch die Politik der Zentralregierung, die schlimmsten Klimaschädiger vom Netz zu nehmen, trage zu der Knappheit bei, so Liu. In der Provinz Zhejiang müssen Haushalte schon jetzt zum Teil ohne Strom auskommen.

In der Provinz Shanxi westlich von Peking könnte die Produktion gegen Jahresende bis zu einem Viertel unter dem Bedarf liegen, teilte State Grid am Freitag mit. Die Lücke liege bei 2,9 Gigawatt. Der Energieversorger forderte seine Regionalorganisationen auf, Krankenhäuser, Schulen und Banken bevorzugt zu beliefern. Doch selbst Wirtschaftszentren wie die Hauptstadt Peking oder die Metropole Chongqing im Südwesten Chinas stehen zumindest vor Engpässen, so Liu.

Chinas Wirtschaft wird in diesem Jahr rund zehn Prozent wachsen. Selbst 2009, im Jahr der Wirtschaftskrise, lag das Wachstum nach offiziellen Zahlen bei 9,1 Prozent. Der Strombedarf steigt sogar noch schneller. Nicht nur die Industrie fragt mehr Energie nach, mit steigendem Lebensstandard leisten sich immer breitere Schichten der Bevölkerung Energiefresser wie Klimaanlagen oder große Flachfernseher. Die Chinesen duschen auch mehr und heizen ihre Wohnungen stärker. Es geht zwar jeden zweiten Tag ein neues Kohlekraftwerk ans Netz und Dutzende von Kernreaktoren sind im Bau. Doch der Energiehunger steigt sogar schneller, als die fixen Baufirmen des Landes die Kraftwerke hinklotzen können.

Die Versorgungslage ist zusätzlich eng, weil die Regierung ältere Kohlekraftwerke gezielt vom Netz nehmen lässt. China hinkt hinter seinen ehrgeizigen Zielen zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes hinterher. Von 2006 bis 2010 sollte die Energieeffizienz um ein 20 Prozent steigen, doch bisher sind nur 16 Prozent geschafft. Die Zentrale in Peking möchte daher Druck auf die Energieversorger und die Industrie ausüben, endlich mehr zu sparen. Die Einführung eines Emissionshandels ist in Planung, doch längst nicht spruchreif. So lange helfen die Planer sich mit den Mitteln der Kommandowirtschaft - und bringen den Markt zuweilen kräftig in Unordnung.

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