Turnaround im Heimatmarkt USA
Tommy Hilfiger probt Comeback

Der vom Finanzinvestor Apax geführte Modekonzern Tommy Hilfiger steht vor einem Comeback. "Der Turnaround im US-Geschäft ist geschafft. Nach der Restrukturierung stehen die Zeichen jetzt wieder ganz klar auf Expansion", sagte Vorstandschef Fred Gehring dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Der vom Finanzinvestor Apax geführte Modekonzern Tommy Hilfiger steht vor einem Comeback. Im Geschäftsjahr 2008 (bis Ende März) stieg der Umsatz der Modemarke um 14,4 Prozent auf 1,34 Mrd. Euro und der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um knapp 24 Prozent auf 707 Mill. Euro. Selbst im seit Jahren rückläufigen Heimatmarkt USA zeigen die Daumen für die Modemarke mit dem rotblauen Logo wieder nach oben.

Die Geschäft der im Jahr 1983 von Tommy Hilfiger gegründeten Modemarke war in den vergangenen Jahren zweigeteilt. Während die Marke in Europa seit ihrem Start 1997 stetig an Einfluss gewann, schwächelte der Heimatmarkt. Die Marke, die den Stil amerikanischer Elite-Studenten nachempfindet, hatte nach Eskapaden mit Stars und Sternchen wie dem Rapper Snoop Dog ein Imageproblem bei ihrer eher konservativen Stammklientel.

Nach vier Jahren mit Umsatz- und Gewinneinbrüchen im Heimatmarkt kaufte der Finanzinvestor Apax den Konzern Ende 2005 schließlich für rund 1,6 Mrd. Dollar auf und nahm die Gesellschaft von der Börse. Neuer Vorstandschef wurde der damalige Europachef Fred Gehring. Das Management um Gehring wurde mit 12,5 Prozent beteiligt.

Der Turnaround in Nordamerika gelang im vergangenen Geschäftsjahr. Der Umsatz wuchs im Heimatmarkt erstmals wieder leicht um 2,4 Prozent auf 590 Mill. Euro. Das Ebitda lag bei 84 Mill. Euro. Den in Aussicht auf die positiven Zahlen geplanten Börsengang sagte Apax aufgrund des widrigen Marktumfelds jedoch wieder ab. "Ein Börsengang steht derzeit nicht mehr zur Debatte. Das Management und Apax wollen den Konzern mit einem für Finanzinvestoren üblichen Zeithorizont von drei bis fünf Jahren weiterentwickeln", sagte Gehring. Auch prüfe man den Kauf anderer Modemarken.

Tommy Hilfiger ist nicht die einzige Modemarke, die von Finanzinvestoren geführt wird. In der Hand von Private-Equity sind unter anderem der größte deutschen Modekonzern Hugo Boss (Permira), außerdem Jil Sander (Change Capital Partners) und Tom Tailor (Alpha). Die Branche bietet starkes Wachstum und hohe Umsatzrenditen - und zwar fast ohne Kapitaleinsatz. Investitionen in Anlagevermögen sind nicht nötig, da die Produktion Partner in Asien übernehmen. Das weltweite Filialnetz wird mit Hilfe von Franchisenehmern auf- und ausgebaut. Gewinne können entsprechend komplett ausgeschüttet werden.

Die Bewertung von Modekonzernen mit internationaler Marke und funktionierender Prozesskette ist entsprechend hoch. Branchenüblich ist ein Multiple des zehn- bis elffachen des Ebitda. Hugo Boss war 2007 sogar für rund 3,5 Mrd. Euro und damit für das fünfzehnfache Ebitda vom Finanzinvestor Permira übernommen worden. Auch Apax hatte Interesse bekundet.

Bei Tommy Hilfiger sind die Vorbereitungen für die organische Expansion und die Integration von möglichen Zukäufen angelaufen. In den USA kooperiert Tommy Hilfiger mit dem größten Kaufhauskonzern Macy?s. Auch die vor Jahren ausgegebene Schuhlizenz ist wieder zurückgeholt, die Tommy Hilfiger Footwear Europe in Osnabrück soll bis Anfang 2009 reintegriert werden. Die breite Aufstellung ist für eine Modemarke wichtig. Auch Hugo Boss hatte im Jahr 2004 die Lizenzen für Lederprodukte zurückgeholt.

"Der Markt für legere, hochpreisige Mode ist attraktiv. Es herrscht jedoch ein harter Verdrängungswettbewerb zwischen etablierten Marken wie Ralph Lauren und Tommy Hilfiger und Newcomern wie Gant", sagt Kerstin Lehmann von der Beratung OC&C.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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