U-Bahn-Auftrag
Siemens droht in Frankreich Ärger

Wegen der Vergabe eines U-Bahn-Auftrags in Lille steht Siemens juristischer Ärger bevor. Die Bürgermeisterin Aubry wirft dem Unternehmen Beeinflussungsversuche vor. Der Konzern steht unter Druck.
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München/ParisSiemens steht Ärger mit der französischen Justiz ins Haus. Im Zusammenhang mit der Vergabe eines U-Bahn-Auftrags im französischen Lille habe die örtliche Staatsanwaltschaft Vorermittlungen gegen den Konzern eingeleitet, bestätigte die Behörde am Freitag einen Bericht der "Financial Times Deutschland". Die Zivilbeschwerde sei bereits Mitte Juni eingegangen, Details wollten die Strafverfolger nicht nennen.

Lilles Bürgermeisterin Martine Aubry warf Siemens bereits Ende Juni in einer öffentlichen Ratssitzung vor, Druck auf die lokale Politik ausgeübt zu haben, um doch noch an einen gut 200 Millionen Euro schweren U-Bahnauftrag zu gelangen und den französischen Rivalen Alstom auszustechen. Ein Siemens-Sprecher wollte sich mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht zu den Vorgängen äußern.

Konzerninsidern zufolge hat sich Personalchefin Brigitte Ederer im Rennen um den Auftrag mit einem Schreiben an Aubry gewandt. Der Inhalt des Briefs wird offenbar unterschiedlich ausgelegt. Aubry zufolge hat Siemens mit Einschnitten bei der französischen Landesgesellschaft gedroht, nachdem Lille im Mai den Auftrag an Alstom vergeben hat und Siemens gegen die Entscheidung vorging. Das Schreiben habe "eine gewisse Anzahl erpresserischer Botschaften enthalten", zitierte die Zeitung Aubry, die auch Parteichefin der Sozialisten in Frankreich ist.

Aus dem Siemens-Umfeld hieß es indes, Ederer habe in ihrer Funktion als für Europa zuständiges Vorstandsmitglied lediglich einen fairen Wettbewerb gefordert. Eine erste Befragung durch die Behörden habe es in Frankreich bereits gegeben. In seinem jüngsten vierteljährlichen Bericht über Rechtsstreitigkeiten, mit dem das Unternehmen unter anderem über den Stand der Folgen seines milliardenschweren Schmiergeldskandals unterrichtet, erwähnt Siemens den Konflikt nicht.

Der Konzern hat traditionell im Bahngeschäft in Frankreich einen schweren Stand. Lange lieferte sich Alstom mit den Münchnern einen Rechtsstreit, nachdem Siemens den prestigeträchtigen Auftrag für neue Züge im Tunnel unter dem Ärmelkanal gewonnen hatte. Die Staatsbahn SNCF kauft indes ihre Züge traditionell im Heimatland, Zugaufträge für ausländische Hersteller sind rar.

Zudem hatte Siemens die Franzosen vergrämt, als es aus dem gemeinsamen Reaktorbauer Areva NP ausstieg, um sich der russischen Rosatom als Partner anzudienen. Aus den Plänen wurde zwar nichts, ein Pariser Schiedsgericht brummte Siemens allerdings wegen Vertragsbruchs eine Strafe von rund 650 Millionen Euro plus Zinsen auf.

Siemens steht derzeit geschäftlich unter Druck: Die beginnende Konjunkturflaute macht den Münchenern zu schaffen. Der Auftragseingang sackte im dritten Geschäftsquartal um ein Drittel auf 17,8 Milliarden Euro ab. Während vor einem Jahr vor allem die Bahntechnik der Münchner weltweit noch stark gefragt war, ging dieses Geschäft in diesem Jahr vor allem wegen der Zurückhaltung der Chinesen zurück.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Diesen Kommentar kann ich als ehemaliger Alstom und Cegelec Mitarbeiter (in Deutschland) bestätigen.
    Man könnte sich auch die anderen deutschen Firmen ansehen die von franz. Konzernen übernommen wurden.

  • Wie auch schon in der FTD falsch wiedergegeben.

    Siemens hatte in Nürnberg das erste fahrerlose U-Bahn-System der Welt eingeführt und in Lille einen weiteren Kunden gewonnen. Das Unternehmen investierte zig Millionen in die Sicherheit und Senorik und jetzt bekommt Alstom K O S T E N L O S Zugang zu dieser Technologie (weil es den "Modernisierungsauftrag" nach nur 11 Jahren! erhält).
    Alstom war 2004 pleite und wurde seinerzeit vom Industrieminister Sarkozy EU-wettbewerbswidig
    aufgepäppelt.
    Ich vermute dass es den von Siemens 2001 aufbereiteten Markt jetzt dafür gibt und Alstom sich billig reinkaufen will.
    DAS ist doch die Wahrheit und deshalb ist es nur folgerichtig, den Verantwortlichen in FR klar zu machen, dass man konsequenterweise Personal in Frankreich abbaut.

    Als ehm. Angestellter aus einer Deutsch-Französischen Unternehmenskooperation (EADS Vorläufer) kann nur eins sagen: Hände weg von Kooperationen mit Frankreich. Es ist alles nur Politik und bestätigt die bisherigen Ergebnisse: Aventis, ICE-Eurotunnel, TGV-Seoul.

    Deutschland sollte sich nach Osten und Norden orientieren.

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