U-Bahn-Bau in Köln
Sünder oder Aufklärer?

Die Zahlen des Baukonzerns Bilfinger Berger interessierten bei der Pressekonferenz des Baukonzerns am Dienstag höchstens am Rande. Schließlich ist Bilfinger Berger Konsortialführer beim U-Bahn-Bau, der für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs verantwortlich gemacht wird. Die anwesenden Pressevertreter wurden nicht enttäuscht: Der Konzern äußerte sich.

MANNHEIM. Der dunkle Anzug mit dem zur Krawatte abgestimmten Einstecktuch sitzt perfekt, so wie immer. Das Gesicht strahlt fast wie die Sonne über dem Bürogebäude an der baumbestandenen Augusta-Anlage in Mannheim, dem Sitz von Bilfinger Berger.

Nein, Herbert Bodner, Vorstandschef des zweitgrößten deutschen Baukonzerns, mag sich die gute Laune heute nicht verderben lassen.

Eigentlich muss er das auch nicht, denn die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres sind gut, und der Ausblick ist es ebenfalls - Krise hin, Krise her.

Doch Bodner ist zu lange im Geschäft, um nicht zu wissen, dass Zahlen an einem Tag wie diesem nur begrenzt interessieren, es sei denn, sie hängen mit dem tragischen Einsturz des Kölner Stadtarchivs zusammen. Zusammen mit Wayss&Freytag sowie Züblin zeichnet Bilfinger in einer Arbeitsgemeinschaft für den Bau der U-Bahn in Köln-Süd verantwortlich. Die Bauarbeiten gelten als mögliche Ursache für das Unglück am 3. März. Bilfinger Berger ist Konsortialführer des Projekts.

Und deshalb soll Bodner den Sündenbock spielen. Jedenfalls deuten die Stadtväter von Köln mit ihren Zeigefingern immer heftiger auf die U-Bahn-Bauer, wenn es um die Verantwortung für das Unglück geht.

Da steuert Hobbysegler Bodner lieber direkt in den Sturm. "Lassen Sie mich vorab ein paar Worte zu dem tragischen Unglück in Köln sagen", setzt er leise an. Und es werden auch nur ein paar - zunächst jedenfalls. Da noch keine Erkenntnisse zum Ereignis und den komplexen Zusammenhängen vorlägen, wolle er sich mit Spekulationen zurückhalten, bittet Bodner um Verständnis. Man habe "natürlich ein eigenes Interesse daran, einen großen Beitrag zur Aufklärung" zu leisten.

Man merkt es, eigentlich würde er gerne viel mehr sagen. Dass es ihn ärgert, wie die Kölner einfach die Schuldfrage outzusourcen versuchen. Doch er kann nicht, er darf nicht. "Schließlich hat so etwas ja auch eine strafrechtliche Komponente", sagt er in einem Nebensatz. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Und so versucht sich Bodner in einer Flucht in die operative Routine, spricht breit über das Dienstleistungs- und Baugeschäft. Neues gibt es hier zwar nicht, bereits im Februar hat er das alles gesagt.

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