UAW will sich Ultimatum des Managements nicht beugen - Konkurrent Chrysler erwägt höhere Rabatte
Gewerkschaft lässt General Motors auflaufen

Im Streit um die milliardenschweren Gesundheitskosten ist der Chef des US-Autokonzerns General Motors (GM), Rick Wagoner, mit seinem Vorhaben gescheitert, der Gewerkschaft mit massiven Drohungen rasche Zugeständnisse abzuringen. Der Präsident der einflussreichen Automobilarbeitergewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger, hat wenige Tage vor Ablauf der Frist ein Ultimatum von GM-Boss Wagoner erneut vom Tisch gewischt, bis Ende Juni einer höheren Beteiligung der Arbeitnehmer an ihren Krankenversicherungskosten zuzustimmen.

HB hz/je PORTLAND/FRANKFURT. Die Eile in den Verhandlungen habe GM ins Spiel gebracht, wies er im Interview mit der Nachrichtenagentur AP Forderungen nach einer schnellen Lösung zurück. Die Gewerkschaft prüfe, ob sie überhaupt etwas für GM tun müsse. Eine Änderung am Tarifvertrag über die Gesundheitsfürsorge lehnte er erneut entschieden ab.

Der Tarifvertrag werde nicht vor seinem Ablauf 2007 neu verhandelt, betonte Gettelfinger. Damit droht eine weitere Eskalation des Konflikts zwischen Management und Gewerkschaft, denn Wagoner hatte einen Alleingang des Konzerns nicht mehr ausgeschlossen, falls sich die UAW nicht bis Ende Juni fügen sollte. Analysten halten sogar einen Streik der UAW-Beschäftigten für denkbar, sollte GM einseitig die gewünschten Kostensenkungen anordnen. „Wenn GM das tut, wäre das ein großer Fehler“, warnte Gettelfinger.

Das Verhältnis zwischen GM und UAW ist traditionell gespannt. Doch Wagoner muss bald Erfolge vorweisen, wenn er nicht selbst aus dem Chefsessel getrieben werden will. Der Autokonzern hatte nach einem Absatzeinbruch und wegen des hohen Preisdrucks in den USA im ersten Quartal den höchsten Verlust seit 13 Jahren eingefahren. Der GM-Boss hatte daraufhin die Schließung mehrerer Werke und den Abbau von 25 000 Stellen auf dem Heimatmarkt angekündigt. Voraussetzung für eine Sanierung ist für das Management auch eine Senkung der Gesundheitskosten, die allein 2005 das Unternehmen mit voraussichtlich 5,6 Mrd. Dollar belasten werden.

Ende der Woche wird der Autokonzern zwar eine erste Erfolgsmeldung auf dem US-Markt verkünden können. Mit einer bislang beispiellosen Rabattaktion trieb der größte Autobauer der Welt seinen Marktanteil im Heimatmarkt im Juni nach Einschätzung von Analysten wieder auf über 30 Prozent. Doch den Käuferansturm hat der Autohersteller mit rapiden Preisnachlässen erkauft: Interessenten zahlen vorübergehend für alle Modelle nur so viel wie Betriebsangehörige.

Auch der zu Daimler zählende US-Autobauer Chrysler erwägt , seinen Kunden ähnlich hohe Preisabschläge zu gewähren. Den Händlern sei bereits mitgeteilt worden, man könne ein vergleichbares Angebot unterbreiten, falls GM die Rabatt-Attacke über den 5. Juli hinaus verlängere, hieß es. Ein Chrysler-Sprecher bestätigte, dass das Unternehmen ein entsprechendes Rabattprogramm prüfe. Dies würde den Preiskrieg erneut anheizen – und die Unternehmensergebnisse weiter erodieren lassen.

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