Uber, Didi und die Deutschen Milliarden zum Mitfahren gesucht

Die Autoindustrie ahnt es, das Silicon Valley sagt es voraus: Das Jahr 2017 war der Startschuss für einen epochalen Umbruch der Mobilität. Ein Blick auf drei Kontinente und ein Milliardengeschäft.
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Uber, Didi, Mytaxi: Milliarden zum Mitfahren gesucht Quelle: dpa
Überholmanöver

Glaubt man Elon Musk, könnten selbstfahrende Autos auch den ÖPNV herausfordern.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/Peking/Bangkok/San FranciscoMan kann Bob Lutz unterstellen, Benzin im Blut zu haben. Jahrzehntelang arbeitete der 85-Jährige in Spitzenpositionen für große amerikanische Autohersteller; für General Motors, Ford und Chrysler, aber auch für BMW. Sein Gastbeitrag für das amerikanische Fachmagazin „Automotive News“ im November schlug in der Branche darum besonders hohe Wellen. Denn Lutz hat nicht weniger als einen Weckruf an die Autoindustrie verfasst. Die Überschrift: „Kiss the good times goodbye“ („Verabschiede dich von der guten alten Zeit“).

Besser könnte man die Gefühlslage der Autoindustrie im Jahr 2017 kaum auf den Punkt bringen. Obwohl die Branche so viele Autos verkauft wie noch nie, obwohl die meisten Hersteller Milliardengewinne schreiben und obwohl das Auto nach wie vor das weltweit wichtigste Fortbewegungsmittel ist, kann 2017 als Jahr des Umbruchs bezeichnet werden. Die Autoindustrie ähnelt derzeit einer Gruppe von Surfern im Wasser, die auf eine riesige Welle warten. Wer auf ihr surft und wer untergeht, scheint ungewiss.

In seinem Gastbeitrag wagt Lutz eine Voraussage, die manchen Automanager gruseln dürfte: In 15 bis 20 Jahren werde das letzte vom Menschen gesteuerte Auto über amerikanische Straßen fahren. Der Mensch am Steuer sei dann kaum mehr als ein Risiko, das kein Gesetzgeber mehr in Kauf nehmen werde. Leistung werde in der neuen Autowelt keine Rolle mehr spielen „Das ist die Todesglocke für Unternehmen wie BMW, Mercedes-Benz und Audi“, sagt Lutz voraus.

Mit dem selbstfahrenden Auto sei auch nicht mehr der Besitz, sondern die Nutzung eines Autos entscheidend. In Zukunft werde nicht mehr das Auto bezahlt, sondern die Fahrt. Am Ende würden damit auch die Autohändler verschwinden. „Es macht mich traurig, das zu sagen, aber wir erreichen das Ende des automobilen Zeitalters“, schreibt der erfahrene Branchenkenner.

Man könnte seine düsteren Voraussagen als radikale Einzelmeinung abtun. Doch in seinem Beitrag beschreibt Lutz nur, was die meisten Autokonzerne selbst ahnen. Die Zeit, in denen es reichte, Autos zu bauen und zu verkaufen, scheint abgelaufen.

Die größte Bedrohung für die Industrie sind dabei nicht Dieselfahrverbote oder Klimaschutzgesetze, sondern der technologische Fortschritt. Mit künstlicher Intelligenz könnten Autos schon in wenigen Jahrzehnten autonom und damit perspektivisch auch unfallfrei fahren. Damit verändert sich das Geschäftsmodell radikal. Denn Autos ohne Fahrer, die auch noch geteilt werden können, machen individuelle Mobilität wesentlich günstiger und flexibler als in der Vergangenheit.

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1 Kommentar zu "Uber, Didi und die Deutschen: Milliarden zum Mitfahren gesucht"

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  • Ich denke im Gegensatz zu Herrn Lutz, dass die deutschen Autokonzerne auch für die Zukunft gut aufgestellt sind. Auch in der Zukunft wird es Menschen geben die sich von anderen abheben möchten und mehr Komfort und Prestige suchen und dafür gerne etwas mehr bezahlen.

    Das Risiko für die deutschen Autohersteller liegt mehr in der deutschen (Merkel), europäischen Politik und der radikal praktizierten Ökoreligion.
    - Mit den kommenden Flottenverbrauchs/CO2 Emissionsvorschriften werden die deutschen Hersteller in der EU stark herausgefordert und gegenüber den Kleinwagenherstellern (FIAT, RENAULT, PSA) massiv benachteiligt.
    - Mit den EU Emissionsvorschriften werden Verbrennungsmotoren unnötig komplex und teuer. In anderen Teilen der Welt werden diese teuren Lösungen eines fiktiven Problems nicht benötigt.
    - Dieselfahrverbote, höhere Steuern für Diesel und Benzin (SPD) können einen Teil der Deutschen von der individuellen Mobilität ausschliessen.
    - Weitere mir noch nicht bekannte Geistesblitze von Merkel und Genossen.

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