Über die KfW-Bankengruppe
Bund arbeitet an Geheimplan für EADS-Einstieg

Entgegen den offiziellen Bekundungen arbeitet die Bundesregierung mit Hochdruck an einem Geheimplan, um notfalls beim europäischen Flugzeugbauer EADS einsteigen zu können. Damit soll der deutsche Einfluss in dem durch Personalquereln und Lieferverzögerungen beim Riesenflieger A380 angeschlagenenen Unternehmen gewahrt bleiben.

BERLIN. Im Auftrag von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) soll die KfW-Bankengruppe ein Modell entwickeln, das einen zeitlich befristeten Kauf von EADS-Aktien möglich macht, heißt es in Regierungskreisen. „Die staatliche Beteiligung an dem Luftfahrtkonzern soll so ausgestaltet werden, dass die KfW dafür keine Aktien von Telekom oder Post verkaufen muss“, sagte ein hoher Regierungsbeamter dem Handelsblatt. Das derzeitige Marktumfeld verbiete eine solche Operation. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wies erneut darauf hin, dass ein Einstieg der KfW bei EADS nur eine theoretische Möglichkeit, aber keine aktuell verfolgte Lösung sei.

Derzeit prüft die Bundesregierung mehrere Optionen für den Fall, dass der deutsche Autokonzern Daimler-Chrysler seinen Anteil an EADS weiter reduziert. Derzeit hält Daimler 22,5 Prozent, hat aber bereits angekündigt, den Anteil auf bis zu 15 Prozent zu verkleinern. In jedem Fall will die Bundesregierung verhindern, dass der deutsche Einfluss durch den Rückzug von Daimler sinkt. Der Bestand an EADS-Aktien in deutscher Hand dürfe nicht verringert werden, heißt es in Regierungskreisen.

Die Bundessregierung beurteilt den Einstieg des Bundes bei EADS unterschiedlich. Während das Kanzleramt skeptisch ist, kann sich das Finanzministerium eine kurzfristige staatliche Beteiligung vorstellen. „Wir denken nach über Situationen, wo es sinnvoll sein kann, Anteile anders als bei einem industriellen Anteilseigner für eine Übergangszeit zu halten“, sagte Steinbrücks Sprecher Torsten Albig. Ob es dazu komme, hänge von der Entwicklung ab, konkrete Pläne gebe es nicht.

Der EADS-Verwaltungsrat hat am Montag offiziell mitgeteilt, dass der Chef der kriselnden Tochter Airbus, Christian Streiff, zurückgetreten ist. Die Leitung des Flugzeugbauers übernimmt der Franzose Louis Gallois, der mit dem Deutschen Thomas Enders den EADS-Konzern führt.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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