Übergangslösung gilt als beschlossene Sache – Großinvestoren kritisieren Aktienverkäufe der Manager
Zetsche wird frühzeitig Mercedes-Chef

Der künftige Daimler-Chrysler-Boss Dieter Zetsche wird noch vor der Internationalen Automesse IAA Mitte September übergangsweise auch zum Mercedes-Chef berufen. Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen gilt diese Spitzenpersonalie im Führungszirkel inzwischen als beschlossene Sache. Das Kontrollgremium will auf diese Weise Zeit gewinnen, um in Ruhe einen Nachfolger für Mercedes-Chef Eckhard Cordes zu suchen. Ein Daimler-Sprecher wollte dies nicht kommentieren.

hz/hea FRANKFURT/M. Zetsche muss damit früher als erwartet in die Pflicht. Cordes hatte zwar angeboten, erst zum Jahresende auszuscheiden, aber in Unternehmenskreisen gilt als sicher, dass er die Verantwortung früher abgeben soll. Er hatte in der vorletzten Woche um die Auflösung seines Vertrages gebeten, nachdem Daimler-Chef Jürgen Schrempp sein vorzeitiges Ausscheiden zum Jahresende bekannt gegeben und den bisherigen Chrysler-Boss Zetsche als seinen Nachfolger angekündigt hatte. Cordes, der mit Zetsche um die Position konkurriert hatte, zog die Konsequenzen aus dieser Niederlage.

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen fällt es dem Führungszirkel schwer, noch vor der Branchenpräsentation IAA einen neuen Kandidaten für den Mercedes-Chefsessel zu präsentieren. „Es gibt keinen Favoriten, der sich auf Anhieb aufdrängt“, hieß es. Das Kontrollgremium verständigte sich deshalb auf eine Übergangslösung mit Zetsche, heißt es. Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen soll die Personalie bereits in den kommenden vier Wochen beschlossen werden. Da sich weite Teile des Aufsichtsrats im Urlaub befinden, ist bisher allerdings noch kein außerordentliches Treffen für das Kontrollgremium anberaumt worden.

Trotz öffentlicher Kritik und Spekulationen über mögliche Probleme im Konzern finden die massiven Aktienverkäufe des Führungspersonals kein Ende. Insgesamt lösten nach Cordes weitere zehn Topmanager von Daimler einen Teil ihrer Optionen ein, nachdem die Aktie durch den Wechsel an der Konzernspitze deutlich gestiegen war. Die Manager erzielten dabei nach Handelsblatt-Berechnungen einen Gesamtgewinn von rund 3,2 Mill. Euro. Mehrere Führungskräfte, darunter Cordes, hatten nach starkem Kursanstieg ihre in den Vorjahren erhaltenen Aktienoptionen gezogen. Daimler hatte das Optionsprogramm zwar nach heftiger Kritik mit Wirkung zum Jahresbeginn 2005 gekippt, zuvor ausgegebene Optionen gelten aber weiter.

Seite 1:

Zetsche wird frühzeitig Mercedes-Chef

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%