Überkapazitäten auf dem Weltmarkt
ThyssenKrupp will weniger Stahl produzieren

Die ThyssenKrupp Stahl will ihre Stahlproduktion im zweiten Quartal 2005 zurückschrauben. Deutschlands größter Stahlkonzern begründete den Schritt mit gestiegenen Stahlimporten in die EU und deutlich höheren Lagerbeständen der Kunden.

HB DÜSSELDORF. Im zweiten Quartal werde die Produktion von veredeltem Flachstahl um zehn Prozent oder 500.000 Tonnen gekürzt, teilte das Unternehmen am Freitag in Duisburg mit. Überkapazitäten auf dem Weltmarkt führten dazu, dass etwa seit Jahresbeginn große Mengen Stahls vor allem an den südeuropäischen Küsten anlandeten, sagte ein Unternehmenssprecher. Außerdem seien die Stahlpreise durch den Lageraufbau seitens der Kunden unter Druck geraten.

„Für uns gilt Preis vor Menge“, kommentierte Vorstand Jost Massenberg die Produktionskürzung. Die Erlöse für den Stahl müssten auf jeden Fall die gestiegenen Kosten decken. Die Stahlhersteller müssen weltweit vor allem für ihren Rohstoff Eisenerz tiefer in die Tasche greifen. Die großen Erzlieferanten hatten Preiserhöhungen über 70 Prozent durchgesetzt. Die Produktionskürzung ist auf drei Monate befristet. „Wir gehen davon aus, dass sich der Markt wieder dreht“, begründete der Unternehmenssprecher dies. Bei den überschüssigen Stahlmengen handele es sich überwiegend um Massenstahl und nur in wenigen Fällen um Qualitätsflachstahl, dem Hauptprodukt von ThyssenKrupp.

Massenberg bekräftigte die Absicht, die gestiegenen Kosten in Form höherer Stahlpreise an die Kunden weiterzugeben. ThyssenKrupp hat bereits zwei Mal in diesem Jahr die Stahlpreise erhöht. Eine neue Preiserhöhungsrunde käme mit Beginn des dritten Quartals. Zuletzt hatte der Konzern im April die Preise um durchschnittlich 15 Euro je Tonne erhöht. Diese Anhebung konnte aber nach Unternehmensangaben nicht vollständig am Markt durchgesetzt werden.

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