Überkapazitäten Autoindustrie will mehr Hilfe von Regierungen

In Europa werden so wenig Autos wie seit langem nicht mehr gekauft, Überkapazitäten lasten auf manchen Firmen, die Konkurrenz wird stärker. Die EU-Autobauer wollen mehr Hilfen von den Regierungen.
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Autos der Marke "Audi" bevor die Fahrzeuge auf ein Schiff für den Export verladen werden. Quelle: dapd

Autos der Marke "Audi" bevor die Fahrzeuge auf ein Schiff für den Export verladen werden.

(Foto: dapd)

BrüsselDie EU-Autoindustrie hofft im Kampf gegen immer stärkere weltweite Konkurrenz und hohe Überkapazitäten auf Hilfe durch die Regierungen der Europäischen Union. Sie möchte mehr öffentliche Gelder, eine „kluge und selektive“ Gesetzgebung sowie handelspolitische Anstrengungen zur besseren Öffnung ausländischer Märkte. Dies geht aus einem Bericht von Spitzenvertretern der Industrie, der Politik und der Gewerkschaften über die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Autoindustrie in den kommenden Jahren hervor.

Die Finanzkrise habe die Branche in Europa schwer getroffen - besonders bei kleinen Personenwagen, heißt es in dem Bericht. Gewinne werden in Europa vor allem bei teureren Autos gemacht, ansonsten auf Auslandsmärkten wie beispielsweise in China. Für dieses Jahr werden in Europa schätzungsweise 12,4 Millionen Autos verkauft. Das sind drei Millionen weniger als vor der Krise und so wenig wie 1996. Die Zahl der Beschäftigten sank von um rund 12 Prozent auf 12 Millionen. Die Exporte erreichten hingegen 2011 einen neuen Rekord von 160 Milliarden Euro.

In dem Bericht der Arbeitsgruppe „Cars21“, der an diesem Mittwoch von EU-Kommissar Antonio Tajani offiziell vorgestellt wird und der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, wird die „strategische Bedeutung“ der Branche und die Notwendigkeit betont, die Produktion in der EU zu erhalten. Die Autoindustrie stehe aber vor großen Überkapazitäten, vor allem bei Kleinwagen und vor allem im südlichen Europa. „Es scheint, als überstiegen die vorhandenen Kapazitäten beträchtlich die in den kommenden Jahren zu erwartende Produktion“, heißt es in dem Bericht.

Es gebe erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Firmen und Ländern, doch beeinträchtigten die Überkapazitäten die gesamte Branche: „Die derzeitige Struktur der Industrie entspricht nicht dem Bemühen um Wettbewerbsfähigkeit, vor allem nicht im Bereich der Massenprodukte.“

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5 Kommentare zu "Überkapazitäten: Autoindustrie will mehr Hilfe von Regierungen"

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  • Nachdem Bauern, Banken, Versicherungen, Stromkonzerne,
    Wasser- und Abwasserverbände und die Steinkohle ihre Subventionen direkt oder indirekt erhalten haben, meldet sich endlich die Automobilindustrie.
    Es kann ja nicht angehen, das Vorstände und Aufsichtsräte Ihre Bezüge auf ein vertretbares Maß reduzieren, wenn der Staat gibt und der Steuerzahler endlich zahlt.
    Diese Heuchler; für Mindestlöhne ist kein Geld da, für angemessene Rentenerhöhungen ist kein Geld da, für eine Erhöhung von Hartz 4 ist kein Geld da, und im Gesundheitswesen werden die Eigenbelastungen (Eigenverantwortung- welch eine Lüge-) immer höher.
    Ein schönes Zitat von Victor Hugo:
    Revolutionen bringt nicht ein Zufall, sondern die Notwendigkeit hervor.
    Eine Revolution ist eine Rückkehr vom Künstlichen zum Wirklichen. Sie ist, weil sie sein muß.

    aus: "Les Miserables".

  • Das ganze ist im Grunde ja ziemlich interessant, denn wie erklärt man dann, das in der Automobilindustrie immer noch ein Großteil der Angestellten Leiharbeiter sind? Die sollten doch nur bei Auftragsspitzen die Mehrarbeit abfangen. Und was ist mit den Zahlen insgesamt: Das Kraftfahrtbundesamt hat gesagt, das bei Porsche ein Plus von 14% und bei Audi von 8% aufweist und zudem die beiden damit Spitzenreiter bei den Neuzulassungen sind.

    Ergo: es kaufen nur noch die Mitmenschen Autos, die auch genug Geld haben und diese großen Fahrzeuge sicher zum größten Teil als Geschäftsfahrzeuge laufen. Würden sich Autohersteller wieder auf den normalen Kunden einlassen, der einfach nur ein zuverlässiges und haltbares Fahrzug braucht, das Reparatur freundlich ist und nicht gleich einen Irrsinnigen Preis hat, wäre alles ganz anders.

    So sind sie lediglich am jammern und haben das ganze selbst verursacht. Oder kann sich ein Leiharbeiter bei Mercedes, Audi, VW oder BMW ein dort produziertes Fahrzeug kaufen? Wohl eher nicht.

  • @ Redaktion

    " In Europa werden so wenig Autos wie seit langem nicht mehr gekauft,..."

    Sollte es nicht statt gekauft verkauft heißen? Gekauft werden ja Autos (Gebrauchte) nur eben keine Neufahrzeuge.

  • Nicht zu vergessen, dass dies nahezu vollständig durch den Druck der Automobilunternehmen her kommt, von welchen die Zulieferer zu abhängig sind um eine ausreichende Verandlungsbasis zu haben.
    Man schaue sich einfach mal die Gewinnmargen der Automobilzulieferer an, die trotz überdurchschnittlich guter Quartale, verhältnismäßig gering sind.

    Anbei: Ist heute beim Handelsblatt einfach mal Tag der Weltuntergangsüberschriften?

  • Die Zulieferer der Autoindustrie sind Spitzenreiter im Lohndumping, im Einsatz von Sklavenhändlern. All das dient der Gewinnoptimierung.

    Durch die dadurch bedingte geringere Kaufkraft dieser Mitarbeiter trägt wesentlich zur verringerten Nachfrage bei.

    Warum soll also der Steuerzahler (niemand anderes wäre es) die Gewinne der Konzerneigner sichern? Sie können es selbst tun, durch höhrere Margen für die Zulieferer.

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