Überkapazitäten befürchtet
Toyota misstraut eigenem Erfolg

Kein anderer Autobauer auf der Welt kommt bei den Kunden so gut an wie Toyota. Seit Jahren legen die Japaner einen Rekord nach dem anderen hin. Laut einer Zeitung bereitet das Wachstum mittlerweile aber Top-Managern Bauchschmerzen. Sie fürchten, dass sich das Unternehmen übernimmt. Und in der Tat: Es gibt schon heute unangenehme Begleiterscheinungen des Erfolgs.

HB/hz NEW YORK. In der Toyota-Führung wächst einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge die Sorge vor Überkapazitäten in den USA. Wie das Blatt am Mittwoch in seiner Onlineausgabe berichtete, wollen einige Top-Manager des japanischen Pkw-Herstellers deshalb beim Bau neuer Fabriken auf dem weltgrößten Automarkt auf die Bremse treten. Dahinter stehe die Sorge, dass das kräftige Absatzwachstum von Toyota in den USA künftig nicht mehr mit dem Tempo der Produktionsausweitung mithalten könne.

Konkret beruft sich das Blatt auf den früheren Direktoriumsvorsitzenden Hiroshi Okuda, der als Architekt der aggressiven US-Expansion gilt, sowie das Mitglied der Toyota-Gründerfamilie, Shoichiro Toyoda. Beide Männer sind Mitglied im Führungsgremium des Autobauers. Sie hätten sich dafür ausgesprochen, wegen der Handelsvorteile im Zuge des schwachen Yen wieder verstärkt Autos aus Japan in die USA zu exportieren und dort zu verkaufen, berichtete die Zeitung. Eine solche Strategieänderung würde bedeuten, dass Toyota auf absehbare Zeit keine neuen Fabriken in den USA baue. Ein Firmensprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Er sagte lediglich, es gebe noch keine Entscheidungen über neue Werke in den USA.

Anfang dieses Jahres kündigten die Japaner den Bau einer neuen Fabrik in Mississippi für 1,3 Mrd. Dollar an. Dem Zeitungsbericht zufolge schraubte Toyota dabei bereits die Produktionsziele herunter: So sollten dort nun ab 2010 jährlich 150 000 Autos pro Jahr produziert werden, während in ersten Planungen von jährlich 200 000 Fahrzeugen ab 2009 ausgegangen worden sei.

Qualitätsprobleme bei Toyota

Dank seines massiven Wachstums in den USA hat Toyota Anfang 2007 General Motors als größten Autobauer der Welt abgelöst. Der steile Aufstieg des Konzerns, zu dem neben der Hauptmarke Toyota auch der Luxuswagen-Hersteller Lexus und der Kleinwagen-Bauer Daihatsu gehören, hat höchst unangenehme Nebenwirkungen: Das bisher glänzende Image des japanischen Autobauers als Dauersieger bei Umfragen zur Kundenzufriedenheit und Zuverlässigkeit ist dahin.

Denn mit der Produktionsausweitung sind auch Qualitätsprobleme aufgetreten. Massenhaft neu eingestellte Mitarbeiter müssen erst eingearbeitet werden; bis dahin häufen sich die Fehler und infolge dessen die Rückrufe. Das wiederum drückt auf die Stimmung der Vertragshändler. In einer jüngst vorgelegten Untersuchung über die Zufriedenheit der Autohändler durch die Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) rutschten die Japaner in der Verkäufergunst deutlich ab: Der einstige Branchenprimus stürzte um vier Plätze auf Rang 15 von insgesamt 25 ab und belegt damit nur noch einen Platz im Mittelfeld. Bereits im Vorjahr war Toyota bei der Befragung um acht Plätze abgerutscht.

Toyota-Chef entschuldigt sich

In den vergangenen Jahren musste Toyota Mängel an jeweils knapp 1,9 Mill. Fahrzeugen nachbessern – für den erfolgsverwöhnten Konzern eine ebenso neue wie bittere Erfahrung. „Nachlassende Zufriedenheit der KFZ-Händler ist ein oft unterschätzter Frühindikator für Unternehmensmisserfolg“, sagte FAW-Leiter Wolfgang Meinig. Eine Ursache für das schlechtere Abschneiden ist Meinig zufolge auch die Verlagerung von Aufgaben auf Lieferanten.

Im vergangenen Jahr hatte sich Toyota-Chef Katsuaki Watanabe bereits mit einer tiefen Verbeugung für die „aufgetretenen Unannehmlichkeiten“ entschuldigt. Für den weltgrößten Hersteller steht viel auf dem Spiel. Toyota gilt seit Jahren in der Branche als Maßstab, was Qualität angeht. Mit den zunehmenden Problemen ist deshalb einer der Kernwerte der Marke gefährdet. Nichtsdestotrotz ist Toyota immer noch der wirtschaftlich erfolgreichste Autobauer der Welt.

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