Übernahme
Bandai nimmt Zapf-Creation an die Hand

Der fränkische Puppenhersteller Zapf Creation gibt seine Eigenständigkeit auf. Am Dienstag legte der japanische Bandai-Konzern ein Übernahmeangebot für Zapf vor, das beide Seiten als freundlich bezeichneten.

MÜNCHEN. Bandai will 10,50 Euro je Anteilsschein an dem angeschlagenen Spielzeughersteller bezahlen, das entspricht einem Aufpreis von rund 20 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. „Wir können diesen Preis nur bieten, weil wir an die großen Synergien unserer beiden Unternehmen glauben“, sagte Masayuki Matsuo, Europachef des japanischen Spielwarenkonzerns. „Das ist ein guter Tag für Zapf“, sagte der Finanzvorstand des Unternehmens, Georg Kellinghusen, dem Handelsblatt. Er führt Zapf zur Zeit kommissarisch.

Mit der angestrebten Übernahme gehen turbulente Monate zu Ende. Ähnlich wie bei dem vor kurzem insolvent gegangenen Stofftierproduzenten Nici („Goleo“) nahm man es mit der Buchführung offenbar nicht immer so genau. Ende Februar stellte Zapf Strafanzeige gegen zwei ehemalige Mitarbeiter, als eine Sonderprüfung den Verdacht der Bilanzmanipulation erhärtete. Die wollten offenbar die desolate Situation des Traditionsunternehmens verschleiern. Der im S-Dax notierte Hersteller von Puppenserien wie „Baby Born“ und „Chou Chou“ ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Im vergangenen Jahr hat Zapf bei einem Umsatz von 140 Mill. Euro einen Verlust von 27 Mill. Euro geschrieben. Das Eigenkapital schmolz auf rund elf Mill. Euro – rund ein Drittel – zusammen. „Gefährlich dünn“ bezeichnete Anfang Mai die Hypo-Vereinsbank die Eigenkapitaldecke und mutmaßte über eine bevorstehende Kapitalerhöhung. Zunächst einmal ging Mitte Mai Vorstandschef Thomas Eichhorn, der Kurs sackte auf unter acht Euro. Das Bankhaus Lampe stellte die Aktien des einstigen Börsenlieblings auf „verkaufen“.

„Wir hatten auch die Möglichkeit gehabt, einen Investor in das Unternehmen zu holen“, sagte Zapf-Übergangschef Kellinghusen dem Handelsblatt am Dienstag. Die Restrukturierung hätte Zapf auch alleine durchgestanden, sagte der Manager, der erst im Februar vom Modekonzern Escada nach Franken wechselte. Ausschlaggebend für die Annahme des Bandai-Angebotes sei aber neben der attraktiven finanziellen Offerte auch die größere Vertriebskraft der Japaner, sagte Kellinghusen. Bandai setzt nach eigenen Angaben in Europa rund 200 Mill. Euro um.

Während Zapf vor allem in Deutschland stark ist, machen die Japaner in den USA und Asien ihre größten Umsätze. „Bandai und Zapf ergänzen sich optimal“, sagt Kellinghusen. „Bandai macht Jungen-Spielzeug, wir machen Spielzeug für Mädchen.“ Kellinghusen ergänzte: „Der neue Partner gibt dem Unternehmen die notwendige finanzielle Stabilität, die wir in den kommenden Jahren brauchen.“

Kellinghusen will Zapf bei konstanten Umsätzen zumindest operativ wieder in die schwarzen Zahlen führen. Dafür müssen vor allem die Mitarbeiter Opfer bringen. In den vergangenen zwei Jahren hat Zapf ein Drittel seiner Stellen abgebaut, nocheinmal rund 80 Jobs sollen in diesem Jahr wegfallen. Die besseren Margen sollen vor allem durch eine bessere Produkt- und Mengensteuerung erzielt werden, sagt Kellinghusen. In der Vergangenheit hat Zapf zu oft am Markt vorbeiproduziert.

Der neue Mutterkonzern hat hingegen Großes vor. „Die geplante Übernahme würde Zapf Creation neue Märkte eröffnen und zu einem Global Player machen“, versprach Masayuki Matsuo am Dienstag. Immerhin können die verbliebenen 200 Mitarbeiter am Stammsitz Rödental vorerst durchatmen: Der Standort soll erhalten bleiben.

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