Übernahme der Dresdner-Bank
Industrie hegt erhebliche Zweifel

Der Einstieg des Staates bei der Commerzbank hat in der Industrie ein geteiltes Echo ausgelöst. Einige Manager hoffen, dass damit auch ein Beitrag zur Entspannung am Kreditmarkt geleistet wird. Überwiegend wird jedoch Kritik laut, weil der Staat die Beteiligung vor allem eingehen will, um die Übernahme der Dresdner Bank sicherzustellen.

STUTTGART/DÜSSELDORF/MÜNCHEN. „Jetzt zahlt letztendlich der Steuerzahler die Übernahme der Dresdener Bank. Und das, weil die Commerzbank die mit dem Kauf der Dresdener verbundenen Risiken unterschätzt hat“, hieß es beispielsweise bei einem großen mittelständischen Unternehmen aus Baden-Württemberg. Bei einem der führenden Dax-Konzerne hieß es fast resignierend: „Wenn wir schon so weit sind.“

Bemerkenswert ist, dass sich kein Manager offiziell zitieren lassen will mit seiner Kritik. „Die Bauchschmerzen sind groß über diesen massiven Eingriff des Staates“, sagte ein Konzernsprecher, „aber die Regierung sah wohl keinen anderen Ausweg, um die Bankenfusion nicht platzen zu lassen.“ Selbst die führenden Wirtschaftsverbände, auf die die Unternehmen jetzt gern verwiesen, hüllen sich weitgehend in Schweigen. Den ordnungspolitischen Sündenfall der Regierung öffentlich zu kritisieren traut sich derzeit niemand.

Selbst BDI-Präsident Hans-Peter Keitel beschränkte sich in einem Interview mit dem Spiegel auf allgemeine Aussagen, die „Kreditkonditionen hätten sich eindeutig verschlechtert“ für die Unternehmen. Und der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, kommentiert nur die Rettungsaktion an sich: „Die Commerzbank hat das Angebot des Rettungsschirms genutzt – das ist völlig legitim. Wichtig ist, dass die Fusion jetzt erfolgreich über die Bühne geht.“

BASF-Chef Jürgen Hambrecht hatte noch vor wenigen Tagen das Verhalten der Banken scharf kritisiert: „Es kann nicht sein, dass sich die Banken in dieser Phase erst einmal selbst sanieren.“ Hambrecht findet es überhaupt nicht in Ordnung, „wenn die Banken vorrangig ihre eigenen Kassen auffüllen und nicht ausreichend Geld an ihre Kunden in der Wirtschaft ausleihen.“ Genau das ist allerdings mit der Bundesregierung verabredet worden: Berlin investiert insgesamt mehr als 18 Mrd. Euro in das Bündnis Commerzbank und Dresdner Bank.

Die Bundesregierung betont zwar, keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Commerzbank nehmen zu wollen. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte aber schon die Hoffnung geäußert, dass die Commerzbank jetzt zügiger Kredite für die Industrie bereitstellen sollte. Der Einstieg des Staates wird daher vor allem bei Unternehmen in akuter Finanzklemme positiv gesehen. So etwa beim Autozulieferer Schaeffler, der gerade den ehemaligen Dax-Konzern Continental kauft. „Das ist sicher kein Nachteil, das macht es verlässlicher“, hieß es im Umfeld des fränkischen Autozulieferers. Die Commerzbank und die Dresdner gehören dem Konsortium an, das die Übernahme des Konkurrenten Conti durch Schaeffler finanziert.

Trotz allem wird der Staatseingriff in die Finanzindustrie mit Argwohn betrachtet. „Wenn das in der Krise so weitergeht, sind die, die rechtschaffen arbeiten und keine Hilfe brauchen, am Ende die Dummen,“ wettert ein Mittelständler.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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