Übernahme der STX-Werft
Meyer Werft steigt bei Finnen ein

Die finnische STX-Werft, Bauer des Tui-Kreuzfahrtschiffs „Mein Schiff 4“, wird durch die deutsche Meyer Werft zu 70 Prozent übernommen. Meyer hofft damit, in Zukunft flexibler auf Kundenwünsche reagieren zu können.
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PapenburgDer deutsche Kreuzfahrtschiffbauer Meyer Werft steigt bei dem finnischen Mitbewerber STX Finnland ein. Wie das Unternehmen im niedersächsischen Papenburg am Montag mitteilte, erwirbt es für einen nicht genannten Betrag eine 70-prozentige Beteiligung an der Werft in Turku, die ebenfalls Kreuzfahrtschiffe baut. Die restlichen 30 Prozent kauft nach finnischen Angaben der staatliche Industriefinanzierungsfonds Finnish Industry Investment (FII). Die Meyer Werft übernimmt auch das operative Management. STX Finnland war bislang Teil des global tätigen südkoreanischen Werft- und Industrieholding STX.

Nach Angaben von Meyer-Geschäftsführer Jan Meyer soll durch die Bündelung der Aktivitäten „höhere Flexibilität gegenüber den Kunden“ erzielt werden. Synergien ergäben sich auch durch gemeinsame Forschung und Entwicklung sowie gegenseitige Lerneffekte bei den Arbeitsabläufen. „Wir stärken alle Standorte gleichermaßen“, betonte er.

STX in Turku baut Kreuzfahrtschiffe für die deutsche Reederei TUI Cruises. Bei der Meyer Werft entstehen unter anderem Kreuzfahrer für Tochterfirmen der Großreederei Royal Caribbean Cruises, das zugleich auch einer der zwei Gesellschafter von TUI Cruises ist. Nach Angaben von Meyer ist STX Finnland ein „ausgewiesener Spezialist“ und verfügt über viel technisches Know-How.

TUI Cruises kündigte am Montag an, weitere zwei Schiffe bei STX in Turku bauen zu lassen. Dort entsteht derzeit bereits der Kreuzfahrtriese „Mein Schiff 4“ für das in Hamburg ansässige Unternehmen. Der aktuelle Neubau und seine beiden Schwesterschiffe „Mein Schiff 5“ und „Mein Schiff 6“ seien Ausdruck der firmeneigenen Expansion auf dem weiter boomenden Kreuzfahrtmarkt. TUI Cruises-Chef Richard Vogel begrüßte das Zusammengehen von STX und Meyer-Werft.

Einen Personalabbau an den deutschen Standorten und in Turku schloss Werftchef Meyer aus. Es gehe nicht um die Verlagerung von Kapazitäten, betonte er. Mit dem Land Niedersachsen werde derzeit sogar ein „Vertrag zur Standortsicherung“ in Papenburg diskutiert.

Die IG Metall, der Betriebsrat der Meyer Werft sowie Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) begrüßten den Einstieg der Meyer Werft in Finnland, der allerdings noch von den beteiligten Banken und dem Bundeskartellamt genehmigt werden muss. „Mit ihrem Engagement in Finnland verbessert die Meyer Werft ihre Position am Markt, das stärkt auch unseren Werftstandort in Papenburg“, erklärte Betriebsratschef Thomas Gelder.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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