Übernahme durch Teva

US-Konzern Mylan lehnt Offerte ab

Angebot abgelehnt: Der US-Pharmakonzern Mylan geht nicht auf ein Milliarden-Übernahmeangebot durch den israelischen Konkurrenten Teva ein. Die Offerte soll 40 Milliarden Euro umfasst haben.
Update: 27.04.2015 - 18:46 Uhr Kommentieren
Der israelische Pharmakonzern will den US-Konkurrenten Mylan kaufen, bislang aber ohne Erfolg. Quelle: ap
Teva-Zentrale

Der israelische Pharmakonzern will den US-Konkurrenten Mylan kaufen, bislang aber ohne Erfolg.

(Foto: ap)

New YorkDer US-Pharmakonzern Mylan zeigt dem an seiner Übernahme interessierten israelischen Rivalen Teva die Zähne. Das Mylan-Management will sich erst dann auf Gespräche einlassen, wenn die Ratiopharm-Mutter ihre Offerte um mindestens ein Fünftel auf knapp 50 Milliarden Dollar aufstockt.

Das bisherige Angebot von 82 Dollar je Mylan-Aktie werde abgelehnt, erst bei „deutlich über 100 Dollar“ sei man überhaupt gesprächsbereit, teilte Mylan am Montag mit. Teva, Weltmarktführer bei Nachahmermedikamenten, bekräftigte allerdings kurz darauf die bisherige Offerte. An der Börse verloren Mylan-Aktien rund vier Prozent auf 73 Dollar. Anleger erwarten derzeit also offenbar nicht, dass Teva mindestens 100 Dollar pro Aktie zu zahlen bereit ist.

Die Ratiopharm-Mutter Teva war vor einer Woche mit ihrer Kaufofferte vorgeprescht. Das Mylan-Management sieht das Vorhaben aber als feindlich an, daher war eine Ablehnung erwartet worden.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 9 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben.

Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)
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Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“.

Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)
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Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie.

Platz 6 – Sanofi für Aventis – 65,6 Milliarden Dollar (2004)
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Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe.

Platz 5 – Actavis für Allergan – 66 Milliarden Dollar (2014)
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Lange hatte sich der Botox-Hersteller Allergan gegen eine Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Valeant gewehrt. Dann schlug die Stunde von Actavis: Der amerikanische Branchenriese und Allergan einigten sich auf den Deal. Allergan wehrte dadurch die feindliche Übernahme durch Valeant ab. Für Actavis war der Zukauf ein Kraftakt, der Konzern war selbst kaum größer als sein Übernahmeziel.

Platz 4 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)
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Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet.

Platz 3 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)
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Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas.

Der US-Konzern machte nun zudem deutlich, dass er Teva-Aktien als Zahlungsmittel nicht akzeptiert. Die Papiere seien von geringer Qualität und beinhalteten hohe Risiken. Mylan hatte vergangene Woche selbst eine Kaufofferte über 31 Milliarden Dollar für den Arzneihersteller Perrigo vorgelegt, die Perrigo aber ebenfalls als zu niedrig zurückweist. Experten vermuten, dass Mylan mit der Perrigo-Offerte für Teva unattraktiver werden will.

Die Pharmabranche kämpft mit Kostendruck und sinkenden Umsätzen. Unter anderem treiben hohe Forschungskosten und der Ablauf von Patenten auf lukrative Medikamente die aktuelle Fusionswelle an.

  • rtr
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