Übernahme durch US-Konzern verhindert
BAE Systems kauft Panzerhersteller Alvis

Im letzten Moment hat der britische Luftfahrt- und Rüstungskonzern BAE Systems doch noch die Übernahme des Panzerherstellers Alvis durch den US-Konzern General Dynamics (GD) verhindert.

tom DÜSSELDORF. Gestern endete eine Bieterfrist, in der GD keine weitere Offerte für den britischen Hersteller gepanzerter Fahrzeuge vorlegte. BAE überbot mit 355 Mill. Pfund die 309 Mill. Pfund, die GD bereit war, für Alvis zu zahlen.

Die Offerte kam überraschend, nachdem die britischen Wettbewerbsstellen in der vergangenen Woche bereits die Übernahme durch GD genehmigt hatten. Auch die EU-Kartell-Behörden hatten dem Geschäft bereits zugestimmt. GD wäre damit zum größten Hersteller von militärischen Landsystemen in Europa aufgestiegen. Der US-Konzern hat auf dem Kontinent bereits den spanischen Panzerbauer Santa Barbara sowie Steyr (Österreich) und Mowag in der Schweiz übernommen.

Die Reaktionen auf das Manöver der Briten fallen gemischt aus. „Alvis ist ein gutes Unternehmen“, sagte Alexandra Ashbourne, Rüstungsexpertin bei Ashbourne Beaver Associates, „aber der Preis ist zu hoch.“ Zudem komme, dass BAE keine Erfahrung im Fahrzeugbau besitze. Der Konzern, der mit 20 Prozent an Airbus beteiligt ist, hatte in der Vergangenheit seine strategische Ausrichtung in der Integration von Systemen gesehen. „ Der Fokus scheint wieder zu den Plattformen zu wechseln“, sagt Ashbourne.

BAE-Sprecher Richard Coltart sieht das anders: „Wir werden Alvis in unseren Bereich RO Defence integrieren und damit in das Geschäft von Service und Wartung für Landsysteme einsteigen.“ In Zeiten knapper öffentlicher Haushalte sei das ein interessanter Bereich. BAE habe zudem eine Reihe von Hedge Fonds, die sich bei Alvis eingekauft hatten, ausbezahlen müssen. „Der Kaufpreis hat den Fonds ermöglicht, mit einen kleinen Gewinn abzuschließen. Das war nicht zu teuer“, so der Sprecher. GD habe mit seinem Angebot nur 22 Prozent der Alvis-Anteilshalter überzeugen können. BAE hatte seinen Part an Alvis, die unter anderem den Panzer Challenger bauen, im vergangenen Jahr auf rund ein Drittel aufgestockt.

In britischen Branchenkreisen gehen die Spekulationen weiter: BAE wolle sich eine gute Position sichern, wenn es zur Konsolidierung der europäischen Heeresindustrie komme. Zudem rechne sich BAE Chancen aus, wenn die britische Regierung das so genannte Fres-Projekt – eine neue gepanzerte Fahrzeugfamilie – auf die Schiene setzt. „Kommt es zu dem Auftrag, kann die britische Regierung kaum an BAE und Alvis vorbei“, meint Alan Sharman, Chef des Branchenverbandes Defence Manufacturers Association. Beim Einstieg von GD bei Alvis wäre auch die Rolle von BAE als Systemintegrator bei Fres unsicher geworden. „Die europäische Heeresindustrie steht jetzt stärker da“, sagte Sascha Lange, Rüstungsexperte bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Der Blick liegt nun auf den Deutschen: Dass Rheinmetall und Krauss Maffei Wegmann mit einer eigenen Fusion auf den wachsenden Konsolidierungsdruck reagieren.

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