Übernahme: Ericsson wartet Telefonnetz für Vodafone

Übernahme
Ericsson wartet Telefonnetz für Vodafone

Der weltweit größte Mobilfunknetz-Ausrüster wollte bereits seit Jahren die Wartung des Netzes für Vodafone in Deutschland übernehmen. Am Mittwoch wurde im Düsseldorfer Mannesmann-Hochhaus der Vertrag unterschrieben. Der Konzern übernimmt 600 Servicemitarbeiter.
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DÜSSELDORF. Darauf hatte Ericsson schon lange Lust: Der weltweit größte Mobilfunknetz-Ausrüster wollte bereits seit Jahren die Wartung des Netzes für Vodafone in Deutschland übernehmen. Am Mittwoch wurde im Düsseldorfer Mannesmann-Hochhaus, der Keimzelle des zweitgrößten Telefonkonzerns in Deutschland, der Vertrag unterschrieben. Vodafones Deutschland-Chef Friedrich Joussen und Ericsson-CEO Hans Vestberg strahlten. "Schon vor fünf Jahren sagte mir Vestberg: Irgendwann übernehmen wir für euch die Wartung der Netze", erinnert sich Joussen. Geglaubt hatte er das damals aber nicht.

Doch der Kostendruck auf den Düsseldorfer Telefonriesen ist seitdem dramatisch gestiegen. Der Wettbewerb mit dem Erzrivalen Deutsche Telekom ist beinhart. Deshalb kam das erneuerte Angebot der Schweden genau zum richtigen Zeitpunkt.

Ericsson wird nun 600 Mitarbeiter von Vodafone übernehmen. Im Gegenzug erhält der Konzern als Dienstleister von Vodafone einen Vertrag mit fünfjähriger Laufzeit. Beide Seiten gingen gestern davon aus, das Abkommen auch über diesen Zeitpunkt hinaus fortzusetzen. Zahlungen zwischen Vodafone und Ericsson wird es nicht geben.

"Das ist eine Win-win-Situation", sagte Vodafone-Chef Joussen. Zum einen senkt der deutsche Ableger des britischen Telekomriesen die Kosten. Branchenexperten gehen davon aus, dass Vodafone durch das Outsourcing zwischen 15 und 25 Prozent der Kosten einspart. Zum anderen gewinnt Ericsson einen neuen Kunden mit langfristiger Perspektive. "Das ist für uns schon ein historischer Tag, für den weltgrößten Mobilfunkkonzern in Deutschland zu arbeiten", schwärmte Vestberg.

Für das kriselnde Unternehmen ist die Wartung von Telefonnetzen ein Wachstumsmarkt. Die Servicegeschäfte machen insgesamt schon über 40 Prozent des Umsatzes aus. Die Wartung von Netzen ist dabei der am schnellsten wachsende Bereich: Im vergangenen Jahr stiegen die Erlöse um 22 Prozent auf 17,4 Mrd. Kronen (knapp zwei Mrd. Euro).

Der Konzern hat bereits in Großbritannien und in den Niederlanden die Netzwartung für Vodafone übernommen. Von den insgesamt rund 82 000 Mitarbeitern arbeitet laut Vestberg bereits die Hälfte im Service. 18 000 Mitarbeiter seien infolge von Outsourcing von Telekomfirmen übernommen worden.

Ericsson fährt angesichts eines Umsatz- und Gewinnrückgangs im vergangenen Jahr einen harten Sparkurs. 2009 baute der Netzwerkausrüster 6 500 Stellen ab. Ericsson leidet unter anderem unter der wachsenden Konkurrenz der chinesischen Preisbrecher Huawei und ZTE.

Die Begeisterung der Vodafone-Arbeitnehmer über die Abgabe der Telefonnetzwartung hält sich in Grenzen. "Wir hätten gerne diese Aufgabe im eigenen Haus behalten", sagte Betriebsratschef Tom Wolf. "Wir hatten in der Vergangenheit Outsourcing-Projekte, die wir besser gelassen hätten", bilanzierte der Gewerkschafter.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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