Übernahme
Hochtief schießt neuen Giftpfeil ab

Der Essener Baukonzern Hochtief wehrt sich bislang erfolglos gegen die feindliche Übernahme durch ACS. Nun könnte eine Wandelanleihe den Deal für die Spanier zusätzlich verteuern. Die würde das Grundkapital – also die Gesamtzahl der Aktien – erhöhen und so die Übernahme für ACS verteuern.
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DÜSSELDORF. Hochtief hat im Abwehrkampf gegen den spanischen ACS-Konzern die nächste Schlappe erlitten. Die australische Übernahmekommission (Takeovers Panel) schmetterte nun einen Antrag von Hochtief ab. Mit diesem wollten die Essener ACS zwingen, gesondert für die australische Tochter Leighton zu bieten. Damit wäre der Kauf für die Spanier viel teurer geworden.

Doch Hochtief gibt trotz des geplatzten Antrags nicht auf. "Wir sind gewillt, unseren Weg im Interesse der Aktionäre bis zum Ende zu gehen", sagte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter gestern. Deshalb will er nun das "Review Panel" in Australien einschalten. Er hofft, dass diese Expertenrunde, die anders als das Takeovers Panel besetzt ist, die Ablehnung zurücknimmt.

Das Kalkül des Hochtief-Chefs: Ein zusätzliches Angebot für Leighton würde die Übernahme erheblich verteuern. Bislang erhält ACS die 54,5-Prozent-Beteiligung von Hochtief an Leighton quasi als Zugabe. Die Beteiligung am australischen Bau- und Bergbaukonzern ist aber an der Börse ähnlich viel wert wie der gesamte Hochtief-Konzern. ACS bietet indes mit seinem Übernahmeangebot für den Gesamtkonzern einen niedrigen Preis. Gestern hätten Aktionäre beim Tausch nur 58,54 Euro für ihre Hochtief-Aktie erhalten, die aktuell bei 62,73 Euro notiert.

Aber wie kann sich Hochtief noch gegen die Übernahme wehren? Mehrere Strategien sind gescheitert. So konnte der Konzern mit Druck auf die Politik - auch mit Demonstrationen - keine Änderung des Übernahmegesetzes erreichen.

ACS bereitet unterdessen seine Hauptversammlung am 19. November in Madrid vor. Da wollen die Spanier die Kapitalerhöhung durchbringen, die sie brauchen, um einen kompletten Tausch der Hochtief-Aktien zu stemmen. Die Kapitalerhöhung, davon gehen Finanzmarktexperten aus, wird vermutlich glatt über die Bühne gehen.

Die Essener tüfteln derweil mit ihren Investmentbanken an weiteren Störmanövern: Hochtief plant ebenfalls eine Kapitalerhöhung. Eigentlich ist eine solche "frustrating action", also eine Handlung, die den Angreifer entmutigen soll, laut Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WPüG) verboten - zumindest während das Angebot läuft. Doch Hochtief macht geltend, dass der Konzern ohnehin eine Kapitalerhöhung geplant hatte, die schon von der Hauptversammlung im Mai genehmigt war. In diesen Fällen lässt der Paragraf 33 des WPüG Ausnahmen zu.

Hochtief muss noch in diesen Wochen Verbindlichkeiten in Höhe von 500 Mio. Euro umschulden. Und der Konzern hatte deshalb schon länger für das vierte Quartal eine Anleihe-Emission geplant. Diesen Plan musste der Vorstand wegen des Angriffs der Spanier kurzfristig verwerfen. Wie ein Anleihespezialist sagte, wäre der Bond wegen der sich abzeichnenden Verschiebung der Machtverhältnisse nicht mehr zu den gleichen Konditionen platzierbar gewesen. Denn ACS ist - anders als Hochtief - hochverschuldet, deshalb seine Bonität schlecht.

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