Übernahme in Gefahr
RWE muss um Essent zittern

Der Energiekonzern RWE stößt bei der geplanten Übernahme des größten niederländischen Versorgers Essent auf ernste Probleme. Am Freitagabend votierte das Regionalparlament des größten kommunalen Essent-Aktionärs gegen den Kauf – Grund sind politische Vorbehalte gegen RWE.

DÜSSELDORF. Die Abgeordneten der Provinz Nord-Brabant, die 30,8 Prozent der Anteile hält, sprachen sich mit 28 zu 26 Stimmen gegen die Transaktion aus. Das letzte Wort hat allerdings die Provinzregierung, die am 12. Mai entscheiden möchte. RWE bedauerte die Entscheidung der Parlamentarier. Sollte auch das Votum der Regierung negativ ausfallen, würde der Konzern sein Ziel, 80 Prozent der Aktien zu übernehmen, verfehlen. In Unternehmenskreisen wird deshalb bereits angedeutet, dass RWE die Schwelle auch noch senken könnte.

Für Konzernchef Jürgen Großmann wäre ein Scheitern der Übernahme von Essent eine große Niederlage. Die Transaktion, die er im Januar ankündigte, soll der erste bedeutende strategische Schritt seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren sein.

Für RWE wäre die Übernahme mit einem Volumen von rund neun Milliarden Euro der erste große Zukauf nach einer jahrelangen Enthaltsamkeit und eine der größten Übernahmen überhaupt. Das niederländische Unternehmen würde strategisch perfekt zu RWE passen, weil die Versorgungsgebiete aneinander grenzen. 2008 hatte Essent ohne das Netz- und Entsorgungsgeschäft, das RWE nicht erwirbt, 6,6 Mrd. Euro umgesetzt und 5,3 Mio. Kunden.

RWE stößt in den Niederlanden aber auf politische Vorbehalte. Umweltschutzorganisationen machen Stimmung gegen den Konzern, der mit seinen Kohlekraftewerken Europas größter Emittent des klimaschädlichen Kohlendioxids ist. Auch im Parlament von Nord-Brabant war hitzig über RWEs Strategie diskutiert worden. Die Abgeordneten kritisierten, in dem Gebot fehlten ausreichende Garantien für eine nachhaltige Energiestrategie des deutschen Konzerns. „RWE strebt bis 2030 gerade mal zehn Prozent an nachhaltiger Energie an“, sagte die Provinzvorsitzende der Partei der Arbeit (PvdA), Lilianne Ploumen. Ihre Partei sei nicht generell gegen einen Verkauf, wolle aber Ziele einer nachhaltigen Energiewirtschaft besser berücksichtigt wissen.

„Wir glauben fest daran, dass unsere Übernahmeofferte attraktiv für Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter von Essent ist und sie auf positive Resonanz trifft“, hielt eine RWE-Sprecherin entgegen. Sie verwies darauf, dass drei der fünf anderen Regionalparlamente ihren Regierungen zur Annahme des Angebots geraten hätten.

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