Übernahme
Merck + Schering = halber Champion

Das Kaufangebot der Darmstädter Merck KGaA für Schering kann die erste große Übernahme innerhalb der deutschen Pharmaindustrie seit mehr als drei Jahrzehnten einleiten. Es ist damit auch der erste Versuch eines Unternehmens, aus dem Mittelfeld der deutschen Pharmabranche heraus einen international konkurrenzfähigen Konzern zu schaffen. Das ist nicht ohne Risiko.

FRANKFURT. Merck-Chef Michael Römer sieht sein Unternehmen damit auf dem Weg zu einer „optimalen“ Größenordnung: „Wir sind künftig groß genug, um international bestehen zu können, aber nicht so groß, dass Flexibilität und Unternehmertum darunter leiden.“

Tatsächlich würde Merck durch eine Übernahme von Schering zum größten deutschen Arzneimittelhersteller avancieren, mit mehr als 9 Mrd. Euro Pharmaumsatz im weiteren Sinne und gut 11 Mrd. Euro Gesamtumsatz einschließlich der Chemiesparte.

Im Vergleich zu den Topadressen der Pharmabranche indessen wird sich Merck auch in der neuen Struktur allenfalls als halber Champion betrachten können. Das gilt insbesondere für das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Originalmedikamenten, das lukrativste und zugleich forschungsintensivste Segment der Pharmabranche. Merck war hier zu Beginn des Jahrzehnts deutlich zurückgefallen und konnte erst in jüngster Zeit mit dem neuen Krebsmedikaments Erbitux wieder Fuß fassen.

Eine Integration von Schering würde dieses so genannte „ethische“ Geschäft von Merck auf etwa 5,6 Mrd. Euro verdreifachen und dem Konzern damit den Anschluss an das Mittelfeld der Pharmabranche sichern. Schering brächte dabei neue Therapiebereiche ein, darunter eine marktführende Position bei Hormon- und Verhütungspräparaten sowie das umsatzstarke Geschäft mit dem Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon.

Die relativ starke Vertriebsposition von Schering im Bereich der neurologischen Erkrankungen hofft Merck sodann für seine eigene Neuentwicklung Sarizotan nutzen zu können. Dieses Mittel gegen die Parkinson-Erkrankung befindet sich in der abschließenden Testphase und gilt derzeit neben Erbitux als einer der wichtigsten Hoffnungsträger für Merck im Pharmabereich. Eine besonders gute gegenseitige Ergänzung sieht das Merck-Management im Krebsbereich, wo beide Unternehmen eine Reihe von Entwicklungsprojekten verfolgen und mit eigenen Präparaten im Markt sind.

Zum Pharmaspektrum von Merck würden aber nach einer Fusion auch Kontrastmittel, ein umfangreiches Generikageschäft und eine deutlich kleinere Sparte mit rezeptfreien Produkten gehören.

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